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à peu près - Identifikationssuche : Gesellschaft als subjektive Wirklichkeit
Menschen internalisieren subjektive Wirklichkeit über Sozialisation. Die primäre Sozialisation (meist durch die Eltern) vermittelt Normen, Rollenbilder, Sprache, etc. Wichtig ist dabei der Prozess des Bezugs zu signifikanten Anderen, die zum generalisierten Anderen werden. Die sekundäre Sozialisation in Subwelten vermittelt rollenspezifisches Spezialwissen und weitere Aspekte von Werten, Normen und Sprache; die Prozesse auf dieser Ebene sind höchst vielfältig und differenziert. Durch Routine und die Bewältigung von Krisen in Grenzsituationen wird die Gültigkeit der subjektiven Wirklichkeit bewahrt. Die Routine ist vermittelt über signifikante Andere (Familie, Vorgesetzte, ...) und sonstige Andere (die Masse der Arbeitenden...). Die Vermittlung entsteht vor allem über ständige Unterhaltungen (Konversationsmaschine), die die Routinen der Alltagswelt immer voraussetzen. Eine radikale Verwandlung bestehender subjektiver Wirklichkeit entspricht einer Resozialisation in einer neuen starken Plausibilitätsstruktur.
Bei einfachen Formen gesellschaftlicher Arbeitsteilung (Arbeitende, Vorgesetzte...) ist auch die Sozialisation ein einfacher Prozess, resultiert jedoch in starker Identität. In differenzierteren Gesellschaftsformen fördern konkurrierende Wirklichkeiten eine normabweichende Sozialisation.
„Alle Menschen sind, wenn sie erst sozialisiert sind, latente ‚Verräter an sich selbst‘. Die psychische Schwierigkeit dieses Verrates wird jedoch größer, wenn entschieden werden muss welches ‚Selbst‘, der vielen die ein Mensch in sich trägt (bis zu 15 nach S.F.) von Fall zu Fall verraten werden soll.“
So existieren dann im Menschen verschiedene Selbstwirklichkeiten und Rollen. Wenn konträre Weltbilder öffentlich konkurrieren, nimmt das allgemeine Gefühl für die Relativität aller Welten zu. Die eigene Identität wird relativiert und weicht einer Praxis wechselnder Rollen.
Generalisierend lässt sich nicht von kollektiver Identität sprechen, sondern von verbreiteten Identitätstypen die vortheoretisch und vorwissenschaftlich von den Menschen wahrgenommen und gelebt werden. Spezifische Identitätstheorien sind immer selbst in ein größeres Wirklichkeitsbild eingebettet. „Schlicht gesagt: jede Psychologie hat eine Kosmologie zur Voraussetzung“.
Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit stößt beim Menschen auf organische Voraussetzungen und Grenzen: Die biologische Konstitution der Individuen, repräsentiert in Lebensdauer, Hunger, sozialisierter Animalität und Krankheiten, je ausgeprägt in konkreten Formen von z. B. Ernährung (Was erzeugt Übelkeit?) oder Orgasmus (Welches sind die „richtigen“ sexuellen Objekte?). In diesem Sinne läuft ein ständiger wechselseitig prägender Prozess zwischen Individuum, Gesellschaft und Natur ab:
„Der Mensch ist biologisch bestimmt, eine Welt zu konstruieren und mit anderen zu bewohnen. Diese Welt wird ihm zur dominierenden und definitiven Wirklichkeit. Ihre Grenzen sind von der Natur gesetzt. Hat er sie jedoch erst einmal konstruiert, so wirkt sie zurück auf die Natur. In der Dialektik zwischen Natur und gesellschaftlich konstruierter Welt wird noch der menschliche Organismus umgemodelt. In dieser Dialektik produziert der Mensch Wirklichkeit - und scheinbar sich selbst.“
Für unsere Zwecke genügt es, ‚Wirklichkeit‘ als Qualität von Phänomenen zu definieren, die ungeachtet unseres Wollens vorhanden sind - wir können sie ver- aber nicht wegwünschen. ‚Wissen‘ definieren wir als die Gewißheit, daß Phänomene wirklich sind und bestimmbare Eigenschaften haben...
