Seiten

Mittwoch, September 1

Maria

Wer ist Maria Magdalena?

WARUM IST MARIA MAGDALENA IM MOMENT WIEDER SO AKTUELL?

Spätestens am 18. Mai werden alle von ihr sprechen. Dann kommt R. Howards Verfilmung von D. Browns Bestseller „Sakrileg“ („The Da Vinci Code“) ins Kino, mit T. Hanks und Audrey Tautou in den Hauptrollen. Die Grundthese des verschlungenen Krimi-Plots: Christus hatte eine Liebschaft mit Maria Magdalena und zeugte mit ihr ein Kind. Die Nachkommen Christi, seit Jahrhunderten im Geheimbund der „Prieuré de Sion“ versammelt, hüten das Geheimnis des Heiligen Grals. Schlüssel dazu sind versteckt auf Leonardo da Vincis berühmtem Gemälde „Mona Lisa“ und dem „Abendmahl“, auf dem einer der Jünger eigentlich eine Frau gewesen sein soll: Maria Magdalena.
Die These der Liebschaft zwischen Christus und Maria Magdalena ist nicht neu. Bücher und Filme des 20. Jahrhunderts haben sich mit Begeisterung auf diese Romanze gestürzt. Das Musical „Jesus Christ Superstar“ und Martin Scorseses Film „Die letzte Versuchung Christi“ malen die so unheilige Familie eindringlich aus. Allein in den vergangenenn Jahren sind ein gutes Dutzend Maria- Magdalena-Romane erschienen, angefangen mit Luise Rinsers „Mirjam“, über Marianne Frederikssons „Maria Magdalena“ bis hin zu historischen Romanen von Margaret George und Sachbüchern wie M. Baigents und R. Leighs „Der Heilige Gral und seine Erben“, die soeben einen Plagiatsprozess gegen „Sakrileg“-Autor D. Brown angestrengt und verloren haben.

WAS IST BEKANNT ÜBER DIESE MARIA?
Maria Magdalena wird in allen vier biblischen Testamenten erwähnt. Sie wird als Besessene geschildert, der Jesus den Teufel austreibt, und als eine der Frauen, die ihm folgen. In allen Evangelien ist sie bei der Kreuzigung dabei, und in allen ist sie es, der Christus am dritten Tag nach seinem Tod als Erste erscheint und die Botschaft an seine Jünger aufträgt (Joh 20, 11-18). Allerdings wird sie nie über den Namen eines Mannes identifiziert (Maria, Frau des …), sondern immer als „die Frau aus Magdala“, was für eine unverheiratete, eigenständige Frau spricht. Magdala, ein Fischerdorf am See Genezareth, war bekannt für seine Prostituierten – und eine Prostituierte, so folgert die christliche Überlieferung, sei auch die „Magdalenerin“ gewesen: Im Lukasevangelium (Lk 7, 26-50) ist die Rede von einer Sünderin, die Jesus im Haus von Simon dem Pharisäer die Füße salbt. Als die Jünger protestieren, entgegnet Jesus, diese Sünderin habe ihm mehr Liebe entgegengebracht als alle anderen Jünger. Diese Sünderin, so erklärte Papst Gregor der Große 591 in einer Predigt, sei Maria, die Frau aus Magdala, gewesen. Auch mit Maria von Bethanien, der Schwester von Martha und Lazarus, wird Maria Magdalena manchmal gleichgesetzt. Die katholische Kirche hat dem allerdings 1969 offiziell widersprochen.
Mittelalterliche Überlieferungen, vor allem durch die Heiligengeschichten der „Legenda aurea“ verbreitet, malen das Bild der Büßerin weiter aus: Maria Magdalena sei nach dem Tod Jesu in einem Boot ohne Steuerruder auf dem Mittelmeer ausgesetzt worden und nach Frankreich getrieben. Hier sei sie in Marseille gelandet und habe es sich zur Aufgabe gemacht, den Süden Frankreichs zu christianisieren. Nach einiger Zeit habe sie sich zur Buße in eine Höhle auf einem Berg nahe Marseille zurückgezogen und dort, nur von ihrem Haar bekleidet, dreißig Jahre gelebt und gefastet, bis sie schließlich in der Kirche von Aix-enProvence gestorben sei. Um ihre Gebeine ist in Frankreich im 13. Jahrhundert ein regelrechter Wettstreit entbrannt: Vézelay und Aix rühmen sich, Grabstätten zu sein; insgesamt sind fünf ganze Leichname sowie verschiedene Teile der Magdalenerin als Reliquien aufgetaucht.
Und auch ein Maria-Evangelium gibt es: 1945 taucht unweit des Dorfes Nag Hammadi in Ägypten ein umfangreicher Papyrusfund auf, mit einem Text, der eine Diskussion zwischen Maria Magdalena und den Jüngern nach der Auferstehung schildert. Ein anderer Text enthält ein Gespräch zwischen Christus und Maria Magdalena. Beide Texte erkennt die katholische Kirche nicht an.

WAS FÜR EIN MENSCH IST SIE?
Zunächst ist sie schön, wunderschön. Unzählige Maler haben sie gemalt: Tizian, Caravaggio, Rembrandt und Rubens, später die Präraffaeliten. Wallendes, lockiges, oft rotes Haar, funkelnde grüne Augen, weißes, verführerisches Fleisch, kaum vom Haar verhüllt. Maria Magdalena ist Luxus und Lüsternheit, ist Körperlichkeit, ist das Weib schlechthin. Schnell wird sie als Gegenbild zur keuschen Gottesmutter Maria aufgebaut: die schöne, reuige Sünderin. Im Barock wird sie zum Inbild der Vergänglichkeit alles Körperlichen, des Verfalls der Schönheit, oft begleitet von Totenschädel, Spiegel, Kerzen oder anderen Vanitas-Motiven. Nicht zuletzt war sie – wie Eva – ein Vorwand, eine nackte Frau auch in der christlichen Kunst zu zeigen.
Doch die Schriften, vor allem das 1945 entdeckte Maria-Evangelium, zeigen eine ganz andere Frau: eine Wortführerin unter den Jüngern, diejenige, mit der Christus seine Lehre teilt und diskutiert, seine Lieblingsjüngerin, vielleicht sogar zu seiner Nachfolgerin bestimmt. Eine selbstbewusste, kluge Frau, eine Intellektuelle. 39 der 46 Fragen, die Jesus in dem gnostischen Text „Pistis Sophia“ gestellt werden, stammen von Maria Magdalena. Petrus, der von Jesus als Kirchenhüter eingesetzt wird, streitet wiederholt mit ihr, fühlt sich zurückgesetzt in der Gunst des Herrn, zweifelt an ihren Worten. Doch als es gilt, das Grab des von Staats wegen hingerichteten Aufrührers und Gotteslästerers Jesus zu besuchen, ist es nicht Petrus, sondern Maria Magdalena, die sich traut. Schon Martin Luther urteilte: „Magdalena war viel beherzter als Petrus.“

WARUM KÄMPFT DIE KATHOLISCHE KIRCHE GEGEN MARIA MAGDALENA?
Gegen D. Browns „Da Vinci Code“ fährt die katholische Kirche alle Geschütze auf, nicht nur, weil die Kirchenorganisation Opus Dei in dem Buch denkbar schlecht wegkommt. Die orthodoxe Kirche ruft derzeit sogar zu einem Boykott von Film und Buch auf.
Doch es ist nicht der weltweite Erfolg, es ist vor allem die Geschichte mit Maria Magdalena und ihrer großen Beliebtheit, die die katholische Kirche stört – nicht erst seit D. Brown. Ihre Rolle und Bedeutung rütteln an den Grundfesten der katholischen Lehre. Wäre sie wirklich, wie im Maria-Evangelium geschildert, eine wortführende Jüngerin Christi gewesen, müssten in ihrer Nachfolge Frauen einen gewichtigeren Platz in der Kirche einnehmen, auch als Priesterinnen. Die Frau, die sich mit Petrus, dem ersten Papst, so leidenschaftlich streitet, wäre dann die Gegenpäpstin.

maria

Wie schimmernde Morgenröte,
strahlend wie die Sonne, im lieblichen Glanze des Mondes
steigt Maria empor zum höchsten Himmel.
Heute besteigt die Königin der Welt den Thron der Herrlichkeit,
sie, die den gebar, der vor dem Morgenstern ist.
Aufgenommen über die Engel, erhebt sie sich auch über die Erzengel.
Alle Verdienste der Heiligen läßt sie hinter sich.
Den sie einst an ihre Brust gedrückt, den sie in die Krippe gebettet,
sieht sie jetzt als König über alles in der Herrlichkeit des Vaters.
Für uns flehe deinen Sohn an, o Jungfrau der Jungfrauen,
durch die Er unsere Natur angenommen und uns die seinige anbietet.
Dir sei Lob, Allerhöchster, der Du aus der Jungfrau geboren bist:
Ehre sei auch dem unaussprechlichen Vater und dem Heiligen Geiste.

Amen



195. Maria sagte: “Wer die Heilige Mutter sucht ist dem Heiligen Vater nahe. Aber wer die Heilige Mutter verleugnet, ist weit entfernt vom Heiligen Vater. Es gibt nicht zwei, sondern nur einen Gott. Er / Sie ist sowohl Vater als auch Mutter.”

204. Maria sagte: “Ich sagte zum Herrn, ‘Las mich erkennen, wer du bist’. Der Herr antwortete mir, ‘Wie du willst. Erkenne dich selbst.’”

207. Maria sagte: “Moses sah einen brennenden Busch. Aber ich sage euch, im Geist des Gesalbten habt ihr das ganze Feuer erblickt!”

210. Maria sagte: “Der Funken muss eine Flame werden. Die Flamme muss ein loderndes Feuer werden. Wenn du scheinst wie die Sonne, bist du vollendet.”

211. Maria sagte: “Das überirdische Licht sah man nicht bevor der Gesalbte es herabholte. Jetzt gibt es einen Lichtsamen und seine Reifung steht bevor.”

215. Maria sagte: “Zahlreich sind die verborgenen Weisheitsschätze und sie warten auf ihre Entdeckung. Wenn du die Weisheit umwirbst, gibt sie dir ihre Aussteuer. Alles in ihrem Haus wird dir gehören.”

216. Maria sagte: “Die Weisheit sucht die, die sie wirklich lieben. Sie kommt zu denen, die sie suchen. Niemandem, dessen Herz sich nach ihr sehnt, wird es an Weisheit fehlen.”

231. Maria sprach und sie sagte: “Wenn du betest, lass dein Herz an seinem Platz ruhen. Wenn es fortrennt, lass es zu seiner Heimstatt zurückkehren. Sie ist der aufgestiegene Christus.

232. Maria sagte: “Wenn du leer wirst, wird der Herr sich dir ganz schenken. Wenn du dich verlierst, wirst du den Heiligen Geist erlangen.”

234. Maria sagte: “Heute seit ihr weniger als die Engel, obwohl manche unter euch den Engeln gleich sind. Wenn ihr vollendet seit, werdet ihr über den Engeln stehn.”


„Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der HERR wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreiches wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ Lukas 1.28-35

tiefe

All unsere Liebe, jegliche Beziehung zu anderen, muss auf einem tieferen Verständnis des anderen begründet sein, wenn wir wirklich andere Menschen, mit denen wir in Kontakt kommen, verstehen wollen. Wir können nur das lieben, was uns lieblich oder schön oder liebenswert erscheint – was uns also anzieht.

Wenn wir uns nicht angezogen fühlen von gewissen Dingen, dann mag die Ursache davon sein, dass wir sie nicht verstehen. Wenn wir Menschen, mit denen wir in Berührung kommen, wirklich verstehen, oder wenn wir versuchen würden, die Welt durch ihre Augen zu sehen und nicht nur durch die unsrigen, dann würden sich Verständnis und Mitgefühl von selbst einstellen.

Und aus diesem Verstehen und Mitfühlen würde dann ein intensives Gefühl wirklicher Liebe entstehen. Wir müssen klar sehen: Niemand kann das Universum lieben – ja, ich gehe noch einen Schritt weiter: Niemand kann Gott lieben, obwohl das an sich eine sehr schöne Idee ist. Denn wir können nicht etwas Unendliches lieben. Wir können nur etwas Begrenztes, Endliches lieben – etwas, das eine direkte Beziehung zu uns hat.

haben wollen

Geschenke
°
Zwischen Geiz und großherzigen Gesten
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft? Das stimmt leider nicht immer. Kolumnistin M. Stone über Porzellan mit Sparkassen-Logo und süße Präsente, die einen Allergieschock auslösen.

Einmal im Jahr treffe ich meine polynesische Freundin D. während ihrer Sommerfrische in den Schweizer Bergen. D. ist Öltycoon-Witwe und Multimillionärin mit viel Freizeit und, kurioserweise, einem Faible für mittelarme Gesellschafterinnen wie mich. In der Alpenlandsidylle wandern wir also gemeinsam, verzehren viel Käsefondue und plaudern dabei über ihre Nöte (wo kaufe ich mir ein neues – fünftes – Haus?) und meine (wie bessere ich mein karges Kolumnistenhonorar auf?). Selbstredend urlauben wir bei getrennter Reisekasse. Sie nächtigt im örtlichen 5-Sterne-Haus, ich in einem hübschen, preisgünstigen Hotelchen um die Ecke. Ungetrübte Ferien also – gäbe es nicht jedes Mal bei unserem traulichen Abschiedsdinner jenen grausamen Moment, in dem sie mir ein Geschenk überreicht.
Auch in diesem August konnte ich ihm nicht entrinnen. Ich saß unschuldig unter einem Hirschgeweih in einer Schweizer Traditionsgaststätte und hatte mein Rüblitorten-Dessert noch nicht verspeist, als D. eine kleine Plastikktüte unter ihrem Stuhl hervorzog und sie mir so dramatisch überreichte, als handle es sich um die Kronjuwelen der Queen. „Darling-Girl“, sagte sie feierlich, „ich möchte dir uuunbedingt etwas schenken.“ Mir wurde schon bang, dennoch griff ich die Tüte und bedankte mich artig. D. zappelte ungeduldig mit den Füßen, also öffnete ich widerstrebend die Verpackung. Darin fanden sich sechs Miniaturfläschchen Duschgels und Shampoos aus D.s Hotelzimmer. Ich stammelte ein Dankeschön. D. strahlte. „Du weißt, wie gern ich dich habe“, zwistscherte sie. Ich verstummte, aber fragte mich im Stillen: Stinke ich etwa? War D. der Meinung, dass ich mich nicht genug wasche? Hielt sie mich für so arm, mir keine eigene Seife leisten zu können? Oder war sie einfach immer noch so geizig wie in den vergangenen sechs Jahren?

Sparkassen-Nippes, Pralinen und viel zu große Kleider
Bei mir zu Hause im Wandschrank sammeln sich nämlich D.s großmütige Präsente: daumengroße Flakons mit Duschgels und Shampoos aus allen Teilen der Welt. Sie koexistieren friedlich neben anderen unliebsamen Geschenken, die ich den Gebern aus Höflichkeit nicht einfach an den Kopf werfen wollte: Da wäre zum Beispiel die safrangelbe Polyesterunterhose in Größe „Large“, die meine alte Freundin B. mal zu Weihnachten praktischerweise aus dem 7er-Pack all ihren Freundinnen offerierte. Daneben die einzelnen Mon Cheris der guten A., die regelmäßig eine Woche lang in meiner Abwesenheit in meiner Wohnung urlaubt und, wenn sie den Kühlschrank geleert und nach Übersee telefoniert hat, ein süßes Küsschen als Dankeschön hinterlässt, wohlwissend, dass ich auf Schokolade allergisch bin. Warum ich solche Geschenke überhaupt behalte? Das habe ich wohl von meiner Mutter.
Die fürchtete nämlich immer, der Schenkende könnte irgendwann auftauchen und nach seiner Gabe Ausschau halten. Deshalb stellte sie eilig die grässlichen Porzellan-Zierteller mit dem Sparkassen-Logo auf den Wohnzimmertisch, wenn uns unsere vermögende Großtante K. besuchte. K. aalte sich 20 Jahre lang jeden Sommer bei uns in ihren Ferien und bedankte sich nach sechs Wochen jedes Mal mit neuen Geschmacklosigkeiten: dem erwähnten Sparkassen-Nippes, abgelegten Matronenkleidern in Größe 46 (meine kein bisschen matronenhafte Mutter trug Größe 38) oder einem verrosteten Hähnchengrill von 1969.

Geiz beginnt, wo Armut aufhört
„Schenken heißt, einem anderen das zu geben, was man selber behalten möchte“, glaubte die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerhöf – aber die kannte meine Verwandten und Freunde schlecht. Deshalb tröste ich mich lieber mit der Erkenntnis des Romanciers Honoré de Balzac, der so großartige Geizigen-Karikaturen wie den Vater Gaudet in „Eugenie Gaudet“ geschaffen und befunden hat: „Der Geiz beginnt, wo die Armut aufhört“.
Wer besonders viel verdient, ist weniger großzügig als ein Normalverdiener, hat neulich auch ein Ökonomieprofessor der Universität Melbourne in seiner Studie festgehalten. Das passt auf meine Freundin D. ebenso wie auf mein inzwischen verblichenes Tantchen K., das ihr Vermögen übrigens nicht uns, sondern ihrem Labrador vermacht hat. Es passt auch auf „Terminator“ Arnie Schwarzenegger, der einem guten Freund mal zum Geburtstag eine schnöde Autogrammkarte verehrte, und auf die notorisch knausrige Queen, die ihren Palastbediensteten unlängst zu Weihnachten billige Glasuntersetzer aus China schenkte. „Es ist schön den Augen dessen zu begegnen, dem man soeben etwas geschenkt hat“, notierte im 17. Jahrhundert der französische Moralist Jean de la Bruyere. Der gute Mann war ganz schön naiv.
Freilich ist mir bewusst, dass es auch nicht immer das Wahre ist, sich Diamanten schenken zu lassen, man will ja schließlich nicht wegen der falschen Gönner vor Gericht enden wie Naomi Campbell. Also denke ich ob meiner geizigen Freunde lieber mildherzig wie der Dichter Joachim Ringelnatz, der geraten hat: „Schenke mit Geist, ohne List. Sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist.“ Der heitere Ringelnatz würde es mir nicht verübeln, dass ich neuerdings die Schuhputz-Schwämmchen aus meinen Hotelzimmern sammle. Bei meinem nächsten Treffen mit meiner lieben Freundin D. schenke ich nämlich zurück.
 
Mona L. meint: Wer keine Selbstachtung besitzt kann auch kein.... Ehrgefühl erwarten. Ansonsten würde man oder in diesem Fall Frau einfach sagen, dass man solche Geschenke einfach nicht will und auch nicht annimmt. Dann ist entweder eine Freundschaft kaputt, die nie eine war, oder der Geber solcher Beleidigungen macht sich mal Gedanken über die eigene Unverschämtheit. Seit ich ohne Geschenke zufrieden und bei demütigenden Geschenken die "Freunde" vor dem Hauptgericht wieder aus dem Haus geworfen habe, geht es mir deutlich besser. Der Freundeskreis ist auch nicht kleiner geworden, nur besser.

tonal


Phantasievoll und entschlossen
°
Das Tonhalle-Orchester mit Heras-Casado
Mit Pablo Heras-Casado hat das Tonhalle-Orchester Zürich einen jungen, sehr begabten Dirigenten zur Eröffnung seiner neuen Saison eingeladen. Das Programm des Spaniers war aussergewöhnlich: kein einziger Dauerbrenner, eine phantasievolle Vielfalt, nie ein Moment der Langeweile. So erklang zu Beginn mit der Ensalada «El fuego» des spanischen Frührenaissance-Komponisten Matheo Flecha d. Ä. für vierstimmigen Chor mit der Begleitung von zwei Perkussionisten, einer kleinen Orgel und einer Renaissance-Gitarre beziehungsweise einer Laute eine Kostbarkeit ersten Ranges – enorm schön gesungen von den von Fritz Näf vorbereiteten Basler Madrigalisten, von Heras-Casado animiert und klar-bewusst geleitet.
Die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan gab Luigi Nonos kurzes Solo «Djamila Boupachà» traumwandlerisch sicher und füllte den grossen Tonhallesaal selbst bei den leisesten Tönen bis in den letzten Winkel mit eindringlicher Emotion. Worauf sie Benjamin Brittens Rimbaud-Zyklus «Les illuminations» op. 18 für hohe Stimme und Streichorchester schlicht umwerfend gut sang. Welch differenzierte Farben! Wie genau hörte sie die Dynamik aus und stimmte sie auf den Orchesterklang ab! Ein Ereignis, das allerdings so nicht möglich gewesen wäre, hätte nicht Heras-Casado mit den Streichern des Tonhalle-Orchesters ausgezeichnet gearbeitet, ihnen die feinsten dynamischen Schattierungen entlockt, das Rhythmische entschlossen in die Hand genommen und das Werk mit einer fasslichen gestalterischen Vision aufgebaut.
Auch bei Dmitri Schostakowitschs so seltsam zwiespältiger Sinfonie Nr. 9 op. 70 war zu spüren, dass Heras-Casado ein interpretatorisches Konzept hat, das präzise den Nerv des Werkes trifft. Jedes Ereignis war formal und klanglich genau im Gleichgewicht, die rhythmischen Energien wurden mitreissend mobilisiert, nur kleine Unschärfen erstaunten. Zum Schluss Claude Debussys «Ibéria», fesselnd, doch auch hier gab es kleine Momente der Irritation, die wohl mit einer halben Probe mehr zu beseitigen gewesen wären.