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Mittwoch, Juli 28

stille

Die Stille (von althochdeutsch stilli: ohne Bewegung, ohne Geräusch) bezeichnet in der deutschen Sprache die empfundene Lautlosigkeit, Abwesenheit jeglichen Geräusches, aber auch Bewegungslosigkeit. Ihre umgangssprachliche Steigerung ist die Totenstille. Gegenbegriffe sind Geräusch, Lärm und ähnliches. Stille ist bedeutungsverwandt, aber zu unterscheiden vom Schweigen. Vom Wort „Stille“ ist das Verb „stillen“ abgeleitet, da der Säugling beim Trinken ruhig wird.
Wirkung der Stille auf den Menschen ~ Völlige Stille ohne jede Reflexion, wie sie etwa in einer Camera silens herrscht, wird vor allem wegen der damit fehlenden akustischen Orientierung im Raum als unangenehm und beängstigend empfunden, länger anhaltend führt sie zu einer sensorischen Deprivation, wobei es aus Mangel an Außenreizen zu Halluzinationen und zu Denkstörungen kommen kann.
Stille im Sinne von ruhiger Umgebung kann wegen der Abwesenheit von störenden Geräuschen beruhigend wirken, die Konzentration auf eine Tätigkeit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden steigern.
Der Mensch ist Geräuschen ausgeliefert, er agiert in seiner Geräuschkulisse. Der Hörsinn ist für den Menschen nicht bewusst beeinflussbar oder abschaltbar; allerdings kann er Routinelärm (als Müller das Klappern seiner Mühle, als Anwohner vorbeifahrende Züge) habituell überhören. Doch ist Stille eine Rahmenbedingung für vielerlei Tätigkeiten oder Bewusstseinszustände:
Tätigkeiten, die vorwiegend auf den Hörsinn aufbauen, benötigen häufig Stille, obwohl sie selbst die Stille stören: Musizieren, Telefonieren etc.
Stille ist auch eine Voraussetzung für die Konzentration des menschlichen Gehirns bei intensiven Denkprozessen. Pädagogen gehen davon aus, dass die Stille dem Lernprozess förderlicher als ablenkende Geräusche ist.
Ebenso wird in Bibliotheken Stille geboten, um die Konzentration auf das Lesen nicht zu stören.
Stille ist eine Rahmenbedingung für Entspannungszustände (z. B. autogenes Training). Geräuschkulissen stören die Entspannung, Besinnung und Beschaulichkeit (Kontemplation). Stille spielt deshalb eine wichtige Rolle in Religion und Meditation.
Stille kann die Vorahnung auf ein nahendes (negatives) Ereignis („die Ruhe vor dem Sturm“) symbolisieren oder die Auseinandersetzung mit der Möglichkeit des eigenen Todes. Die bewusst eingesetzte Stille in Bühnenstücken, Spielfilmen oder als rhetorisches Element beim Vortrag von Reden oder Gedichten dient der dramaturgischen Erhöhung der Spannung.
Das Marketing sagt der Stille eine konsumhemmende Wirkung nach. Um den Konsum zu motivieren, wird deshalb in Verkaufslokalen die Stille mit Hintergrundmusik (Muzak) überdeckt.
Bedeutung der Stille in der Religion ~ In vielen Religionen, beispielsweise im Buddhismus und im Daoismus, wird der Stille eine große Bedeutung beigemessen, vor allem, wenn sich der Priester oder die Gläubigen konzentrieren müssen, etwa beim stillen Gebet und der Meditation.
In der Liturgie der katholischen Kirche spielt die Stille nach der Liturgiereform infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils als eigenes Element eine Rolle, etwa vor dem Schuldbekenntnis, nach den Lesungen und der Predigt, bei der Gabenbereitung und nach der Kommunion. In den Großen Fürbitten beten die Gläubigen für die Ruhe im eigenen Leben.
Im Pietismus des 18. Jahrhunderts wurde die Stille als ein mystisches Element der Frömmigkeit entdeckt. In Anknüpfung an Luthers Übersetzung „Vnd suchen falsche Sachen widder die stillen jm Lande“ (Psalm 35,20) zog man sich bewusst und durchaus vernehmlich artikuliert aus der herrschenden Gegenwartskultur „in den stillen Winkel“ zurück. Die als Stille im Lande bekannten Pietisten fanden ihre Basis in der 1780 gegründeten Christentumsgesellschaft. Die heute geläufigen Begriffe Andachtsstille oder Gebetsstille stammen aus dieser Bewegung.
In der Communauté de Taizé hat jede Gebetszeit eine lange Stillephase von fünf bis zehn Minuten.
Anachoreten machten sich die Wirkung von Stille zunutze, um sich auf große spirituelle Zusammenhänge konzentrieren zu können.
In Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra wird die Stille mehrfach zum Thema: Die größten Ereignisse - das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden (Von großen Ereignissen); und: Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt. (Die stillste Stunde). Stillleben mit verschiedenen Vasen (Francisco de Zurbarán 1636, Öl auf Leinwand) In der Bildenden Kunst ist ein Stillleben das Abbild eines leblosen und bewegungslosen Arrangements von Gegenständen. Vor allem in der Neuen Musik hat die Beschäftigung mit der Definition von Musik auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik der Stille geführt. Das mit Abstand bekannteste Beispiel ist John Cages Klavierstück 4′33″. Es setzt sich aus drei Sätzen zusammen, die nur aus Pausen bestehen, welche insgesamt die Länge von vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden haben. Der Gedanke einer „Musik der Stille“ – hier wieder im übertragenen Sinne – hat auch andere Komponisten angeregt, wie etwa Frederic Mompou.
Marcel Marceau hat die Pantomime als die „Kunst der Stille“ charakterisiert.