
Phantasievoll und entschlossen
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Das Tonhalle-Orchester mit Heras-Casado
Mit Pablo Heras-Casado hat das Tonhalle-Orchester Zürich einen jungen, sehr begabten Dirigenten zur Eröffnung seiner neuen Saison eingeladen. Das Programm des Spaniers war aussergewöhnlich: kein einziger Dauerbrenner, eine phantasievolle Vielfalt, nie ein Moment der Langeweile. So erklang zu Beginn mit der Ensalada «El fuego» des spanischen Frührenaissance-Komponisten Matheo Flecha d. Ä. für vierstimmigen Chor mit der Begleitung von zwei Perkussionisten, einer kleinen Orgel und einer Renaissance-Gitarre beziehungsweise einer Laute eine Kostbarkeit ersten Ranges – enorm schön gesungen von den von Fritz Näf vorbereiteten Basler Madrigalisten, von Heras-Casado animiert und klar-bewusst geleitet.
Die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan gab Luigi Nonos kurzes Solo «Djamila Boupachà» traumwandlerisch sicher und füllte den grossen Tonhallesaal selbst bei den leisesten Tönen bis in den letzten Winkel mit eindringlicher Emotion. Worauf sie Benjamin Brittens Rimbaud-Zyklus «Les illuminations» op. 18 für hohe Stimme und Streichorchester schlicht umwerfend gut sang. Welch differenzierte Farben! Wie genau hörte sie die Dynamik aus und stimmte sie auf den Orchesterklang ab! Ein Ereignis, das allerdings so nicht möglich gewesen wäre, hätte nicht Heras-Casado mit den Streichern des Tonhalle-Orchesters ausgezeichnet gearbeitet, ihnen die feinsten dynamischen Schattierungen entlockt, das Rhythmische entschlossen in die Hand genommen und das Werk mit einer fasslichen gestalterischen Vision aufgebaut.
Auch bei Dmitri Schostakowitschs so seltsam zwiespältiger Sinfonie Nr. 9 op. 70 war zu spüren, dass Heras-Casado ein interpretatorisches Konzept hat, das präzise den Nerv des Werkes trifft. Jedes Ereignis war formal und klanglich genau im Gleichgewicht, die rhythmischen Energien wurden mitreissend mobilisiert, nur kleine Unschärfen erstaunten. Zum Schluss Claude Debussys «Ibéria», fesselnd, doch auch hier gab es kleine Momente der Irritation, die wohl mit einer halben Probe mehr zu beseitigen gewesen wären.
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Das Tonhalle-Orchester mit Heras-Casado
Mit Pablo Heras-Casado hat das Tonhalle-Orchester Zürich einen jungen, sehr begabten Dirigenten zur Eröffnung seiner neuen Saison eingeladen. Das Programm des Spaniers war aussergewöhnlich: kein einziger Dauerbrenner, eine phantasievolle Vielfalt, nie ein Moment der Langeweile. So erklang zu Beginn mit der Ensalada «El fuego» des spanischen Frührenaissance-Komponisten Matheo Flecha d. Ä. für vierstimmigen Chor mit der Begleitung von zwei Perkussionisten, einer kleinen Orgel und einer Renaissance-Gitarre beziehungsweise einer Laute eine Kostbarkeit ersten Ranges – enorm schön gesungen von den von Fritz Näf vorbereiteten Basler Madrigalisten, von Heras-Casado animiert und klar-bewusst geleitet.
Die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan gab Luigi Nonos kurzes Solo «Djamila Boupachà» traumwandlerisch sicher und füllte den grossen Tonhallesaal selbst bei den leisesten Tönen bis in den letzten Winkel mit eindringlicher Emotion. Worauf sie Benjamin Brittens Rimbaud-Zyklus «Les illuminations» op. 18 für hohe Stimme und Streichorchester schlicht umwerfend gut sang. Welch differenzierte Farben! Wie genau hörte sie die Dynamik aus und stimmte sie auf den Orchesterklang ab! Ein Ereignis, das allerdings so nicht möglich gewesen wäre, hätte nicht Heras-Casado mit den Streichern des Tonhalle-Orchesters ausgezeichnet gearbeitet, ihnen die feinsten dynamischen Schattierungen entlockt, das Rhythmische entschlossen in die Hand genommen und das Werk mit einer fasslichen gestalterischen Vision aufgebaut.
Auch bei Dmitri Schostakowitschs so seltsam zwiespältiger Sinfonie Nr. 9 op. 70 war zu spüren, dass Heras-Casado ein interpretatorisches Konzept hat, das präzise den Nerv des Werkes trifft. Jedes Ereignis war formal und klanglich genau im Gleichgewicht, die rhythmischen Energien wurden mitreissend mobilisiert, nur kleine Unschärfen erstaunten. Zum Schluss Claude Debussys «Ibéria», fesselnd, doch auch hier gab es kleine Momente der Irritation, die wohl mit einer halben Probe mehr zu beseitigen gewesen wären.