Parzivâl, im 9. Jahrhundert von seiner Mutter Herzeloide in der Einsamkeit des Waldes vor dem Leben beschützt, wächst in kindlicher Unbefangenheit als „ reiner Tor“ heran. Er will Ritter werden, um Menschen zu helfen. Doch erst als er seine Verfehlungen – das Verlassen und der Tod der Mutter, das Versagen auf der Gralsburg – einsieht, kann er den König Amfortas von dem Leid seiner offenen Wunde erlösen. Er hat seinen Zweifel und seine Schuld in Erkenntnis- und Liebeskräfte verwandelt. Parzivâl wurde „durch Mitleid wissend“ und übernimmt das Amt des Gralshüters.Handlung
Parzivals Erziehung zum Ritter und seine Suche nach dem Gral ist zwar – wie der Erzähler mehrfach betont – Hauptthema der Handlung, fast gleichwertig aber verfolgt Wolfram kontrastierend die Ritterfahrt Gawans. Während Gawan durchgängig als der geradezu vollkommene Ritter auftritt und sich in zahlreichen Abenteuern immer erfolgreich darin bewährt, die Schuldigen an Missständen der Weltordnung zur Verantwortung zu ziehen und diese Ordnung zu restituieren, durchlebt Parzival neben Abenteuern auch extreme persönliche Konfliktsituationen und wird – aus Unkenntnis oder aufgrund von Fehlinterpretationen von Aussagen und Situationen – immer wieder selbst schuldig. Doch gerade er, der über lange Jahre hinweg die Folgen seines Fehlverhaltens ertragen muss, erlangt am Ende die Gralsherrschaft. Das Epos endet mit einem Ausblick auf die Geschichte von Parzivals Sohn Loherangrin.
Alles, was im Umkreis der Planeten ist und was ihr Glanz bescheint, ist Dir zu erreichen und zu erwerben bestimmt. Dein Schmerz muss nun vergehen. Nur allein das gierige Ungenügen schließt Dich aus der Gemeinschaft aus, denn der Gral und des Grales Kraft verbieten Dir unaufrichtige Freundschaft. Du hattest Dir in der Jugend die Sorge großgezogen, aber die nahende Freude hat sie um ihre Hoffnung gebracht. Du hast der Seele Ruh’ erstritten und des Lebens Freude in Sorgen erharrt.
