Psychologische Deutungen
Die Erzählung in Genesis 3, die christlich als „Sündenfallerzählung“ gewertet, hebräisch neutraler als „Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten Eden“ bezeichnet wird, ist vielfach philosophisch und psychologisch gedeutet worden. Der deutsche Idealismus sah in ihr den Mythos vom Erwachen des Bewusstseins und ging so weit, den Menschen nach dem Essen der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse nicht mehr als „Menschen“ im Vollsinn zu betrachten. Psychologische Deutungen wollen darin eine verschlüsselte Darstellung des Adoleszenzkonflikts erkennen, in dem sich die „unschuldige“ Elternbindung stufenweise löst und eine erwachsene, durch Freiheit und Schuldfähigkeit gekennzeichnete Identität entsteht. Dabei wird der Baum der Erkenntnis auch auf die Entdeckung der Sexualität hin gedeutet. Wie der deutsche Islamexperte und Psychologe Al Habib schreibt wird in der islamischen Mystik die Suche von Adam und Eva zueinander als die Suche nach Gott (Allah) angesehen. Bei der Suche zueinander wird Adam und Eva Geduld (arab.: Sabr) und Gottvertrauen (arab.: Tawakul) abverlangt. In der irdischen körperlichen Vereinigung wird jedoch eine große Ekstase freigesetzt (arab.: Ishq), die das Band zwischen den beiden Liebenden und zwischen den Liebenden und Gott (arab.: Allah) festigt. Dieses Motiv der Liebenden, die in der Suche zueinander mit Gott in Zwiesprache stehen, um dann bei der Vereinigung zueinander Gott zu preisen ist dabei ein durchgehendes Motiv in der islamischen Literatur, so z.B. in den Geschichten von „Tausend und Einer Nacht“, der Geschichte von „Leila und Madschnun“ von Nizami, den Geschichten im „Divan“ von Hafiz, oder den Geschichten von Rumi im „Mathnawi“.
Die Gnade Gottes
Manche Menschen könnten denken, dass gelehrt wird, das Paradies könne durch die Taten verdient werden. Dies ist nicht wahr; das göttliche Wissen besagt, dass weder der Glaube noch die Taten es sind, die uns den Himmel betreten lassen. Nur durch die Gnade Gottes und durch Seine Barmherzigkeit wird uns gestattet, in das Paradies einzutreten. Etwas anderes zu glauben, bedeutet, Gottes Macht und absolute Souveränität in Frage zu stellen. Gott ist der Vergebende und zu behaupten, dass der Mensch sich selbst Vergebung gewähren könnte, bedeutet, Gottes Namen und Eigenschaften anzutasten; dies würde die Schöpfung (d.h. einen selbst) auf den Stand des Schöpfers zu erheben, indem man sich selbst zum Partner an der Gnade und Macht Gottes macht, was tatsächlich die Sünde ist; d.h. Partner an der Anbetung Gottes teilhaben lassen.
Ein Haus in diesem weltlichen Leben kostet einen bestimmten Preis; je besser und je größer es ist, desto höher ist sein Preis. Ein Herrenhaus kostet mehr als ein normales Haus und ein Palast kostet mehr als ein Herrenhaus. Man kann sich nur vorstellen, wieviel ein Palast im Paradies kostet! Wenn die Taten unsere Währung wären, dann würde die Wahrheit so aussehen, dass keiner von uns in der Lage wäre, genug gute Taten aufzusparen, um jemals in der Lage zu sein, sich auch nur einen Quadratmeter Eigentum im Paradies leisten zu können. Einer der Gründe dafür, dass wir Menschen niemals genug gute Taten sparen könnten, ist, dass wir bereits hoch verschuldet sind. Keine noch so große Menge guter Taten kann Gott, dem Allmächtigen, das zurückzahlen, was Er uns bereits gegeben hat, wie unser Augenlicht, unser Gehör und ähnliches. Daraus schlussfolgern wir, dass kein menschliches Wesen das Paradies durch seine Werte oder guten Taten verdienen kann.
Niemand wird ewige Erlösung aufgrund seines eigenen Grad des Glaubens erreichen, sondern dies wird eher durch die Gnade Gottes erreicht. Ein Prophet sagte:
“…Seid euch bewusst, dass keiner von euch Erlösung durch den Wert seiner eigenen Taten erreichen kann.”
Die Leute fragten ihn: “O Gesandter Gottes, nicht einmal du?”
Worauf der Prophet antwortete: “Nicht einmal ich, außer wenn Gott mich mit Seiner Gnade und Barmherzigkeit umgibt.”
Gott, der Allmächtige, sagt:.
“Und Er [Gott] erhört diejenigen, die gläubig sind und gute Werke tun, und gibt ihnen noch mehr von Seiner Gnadenfülle.”
Gott, der Allmächtige, teilt uns mit, dass Seine Gnade, Barmherzigkeit und Liebe allen gilt, die “glauben” und “gute Werke” tun:.
“Diejenigen, die da glauben und gute Werke tun – ihnen wird der Allerbarmer [Gott, Seine] Liebe zukommen lassen.”


