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Donnerstag, November 18

ritardando

Kopenhagen - Haydn hätte vielleicht sein "Rondo all’ongarese" kaum wiedererkannt, derart angereichert mit einer Extraportion Tonica. Feurig und rasant jagt es dahin, kaum mehr eine klassische Komposition, eher ein Ausbruch urmusikantischer Energie, der Violinist als waschechter Zigeuner-Primas. Die Zugabe ist noch einmal bezeichnend für das Konzert des Gelius Trios im Festsaal, das sich den Erwartungen an einen klassischen Kammermusik-Abend auf erfrischende Weise entzogen hat. Denn keines der immer wieder gern gehörten Werke der Klaviertrio-Literatur war geboten, kein Romantiker, kein großer Klassiker. Stattdessen war das Programm nahezu experimentell angelegt und lud ein in interessante Nischen dieses Repertoires. Die erste Hälfte koppelte zwei ausgesprochene Jugendwerke: C. Debussys im Alter von 18 Jahren komponiertes Klaviertrio in G-Dur ist für die Sommerzeit seiner Gönnerin Nadeshda von Meck entstanden, und man hört es ihm an, gewoben aus einer melodischen Girlande, die bald leicht dahinflattert, bald sich eng verflechtet zu seelenvollen Entwicklungen. Das Gelius Trio zeichnete dies mit feiner Musikalität nach und tönte das insgesamt wunderbar homogene Klangbild mit einer Vielzahl von individuellen Farben. Bei aller Leichtigkeit offenbarte das Werk damit eine erstaunliche Fülle klanglicher und satztechnischer Fantasie. Während allerdings von Debussys späterer Kunst kaum etwas anklingt, ist Schostakowitsch in seinem frühen Trio op. 8 künstlerisch bereits voll da – ein Geniestreich des 17-Jährigen. Beklemmend, ja wie eingeklemmt in sinistres Dunkel klagt das Hauptmotiv, wird aber auch in grotesk hüpfende und hetzende Bewegung versetzt: Es sind die schneidenden Kontraste des Lebens, die Schostakowitsch immer wieder benennen wird. Dazwischen erklingt eine emphatisch schöne, weit schwingende Melodie, eine Reminiszenz der verflossenen Romantik, ein Fest für M. Hells sonor und edel singendes Cello. Die Drei inszenieren das Stück als spannendes, existenziell dringliches Drama zwischen den Epochen. Dass dabei eine Saite riss, passte fast ins Konzept. Sodann durfte man die erste Hälfte des nahtlos durchkomponierten Stücks noch einmal und womöglich noch intensiver erleben.
Völlig andere Töne schlägt Chick Coreas in seinem "Addendum" an, jazzig-minimalistisch, leicht pulsierend und komplex verspielt.

Und wie verwandelt spielt das Münchner Trio mit hellem, klaren Ton und unforciertem rhythmischen Drive. Dann nun doch ein bekanntes Werk:
Astor Piazzollas "Jahreszeiten in Buenos Aires" in einer Bearbeitung für Klaviertrio. Gegenüber einer reinen Streicherfassung vermittelt natürlich die mit Klavier besser die perkussiven Elemente des Stücks, und Micaela Gelius, die bislang subtil dem Streicherklang sekundierte, prescht hier auch mal virtuos nach vorne. G. Kremer hat in der klassischen Szene den Ton für Piazzollas Tango Nuevo geprägt, aber das Gelius Trio braucht sich mit seiner großartigen, ja berauschenden Interpretation nicht hinter dem großen Geiger verstecken. Sreten Kristic, erster Konzertmeister der Münchner Philharmoniker, beherrscht das besondere violinistische Idiom dieser Musik perfekt und völlig ungezwungen. Präzise durchgefeilt und doch ungeheuer emotional und sinnlich, springt einen die Musik förmlich an, wie die Stimmungen der Natur selbst, die elementare Gewalt des Wetters.