Taufe
Spätestens hier erfahren wir, dass auch Mose „schrie“. Das ist irgendwie tröstlich, dass ein Mann, der solche Wunder mit Gott erlebt hat, es mit der Angst zu tun bekommt. Er wendet sich Gott zu und schreit zum Herrn. Die Reaktion Gottes ist souverän: „Was schreist Du zu mir?“ Vielleicht ist hier auch die Trauer Gottes herauszuhören, dass Mose nicht glaubt, dass der Herr es herrlich hinausführt. Wir werden erinnert an viele Situationen der Jünger mit ihrem Herrn, wo es heißt: und sie schrieen! Und der Herr mußte ihnen sagen: Ihr Kleingläubigen. Moses sinkt, wie später Petrus. Aber er reckt seine Hand aus zu Gott und dieser ergreift die Hand des Mose und damit des Volkes und zeigt auf, wie Gottes Volk „auf dem Wasser gehen kann!“
Gott enthüllt Mose seinen Willen:
· Hebe deinen Stab auf. Den Stab, mit dem ich Wunder tat. Dass Szepter meiner Macht. Der Hirtenstab und das sichtbare Zeichen, mit der Gott seine Kraft ausübt. Durch den Stab geschieht nichts, sondern es ist nur ein Zeichen. Der Stab wird nicht zum Zauberstab. Es ist nur ein sichtbares Zeichen, eine Glaubenshilfe für das Volk.
· Recke deine Hand übers Meer. Die Hand des Mose wird zu Gottes Hand. Seine Hand, wie zum Segnen erhoben, befiehlt dem Wüten des Meeres. In dieser Pose wird Mose zum Vorschatten des Christus, der den Stürmen befiehlt und das Meer ruhig werden läßt. Gott handelt durch Mose, Mose durch ihn. Gott ist der Handelnde, Mose wiederum nur ein sichtbares Zeichen zur Glaubensstärkung seines Volkes.
· Teile es mitten hindurch! Hier gibt Gott dem Mose einen Auftrag, den er nun aus eigener Kraft nicht bewältigen kann. Wie schmal ist hier der Weg zwischen Demut und Größenwahn. Denn die Versuchung ist groß, dass Mose sich selbst verherrlicht, so wie das später viele Männer Gottes taten. Doch Mose handelt fest im Glauben, fest in dem Wissen, dass allein Gott der Handelnde ist, er nur Werkzeug. Und tätsächlich teilt sich nicht sofort das Meer, sondern Gott bedient sich der Naturgewalten - wie einem starken Ostwind. Auch weicht das Meer nicht mit einem Schlag, wie es oft in Filmen dargestellt wird, sondern der Sturm bläst die ganze Nacht hindurch. Wie wir uns das alles vorzustellen haben, bleibt allerdings unklar. Tatsache ist, dass das Wasser wie bei Ebbe und Flut zurückwich, der Boden austrocknete und das Volk einen Weg beschreiten konnte, der vorher völlig verborgen blieb.
Zu diesem Wunder tut Gott noch ein Zweites. Er bildet in der Gestalt des Engels und der verhüllenden Wolkensäule statt Vor-und Nachhut nun nur noch die Nachhut. Sie sehen nichts, können nur abwarten. Ihre Augen sind gehalten. Das Volk aber sieht klar die Herrlichkeit Gottes. Bei Ihnen ist Licht und Erkenntnis des Herrn. So steht bis heute die Finsternis und die Erkenntnis des Herrn zwischen Gemeinde und Welt sich gegenüber. Die Welt kann es nicht erkennen, wenn Gott sie nicht erleuchtet. Und so marschiert das Volk im Sturm und umgeben von Meereswällen durch die enge Gasse in die Freiheit. Der Weg, den Gott ihnen eröffnet, ist herrlich, aber er bleibt auch bedrohlich. Es gilt, sich Gott ganz anzubefehlen und stets zu wissen: alles steht und fällt mit Gottes Gnade und Kraft. Das Volk geht durchs Wasser, wie ein Täufling durchs Wasser geht und läßt das Alte hinter sich, Neues beginnt.


