Die Zahl der Praktiken, die mit „Buddhismus“ assoziiert werden ist groß. Jedoch berufen sich alle auf Siddattha Gautama, der vor etwas mehr als 2500 Jahren im nördlichen Indien lebte und lehrte, als Quelle oder Inspiration. Er ging in die Geschichte ein als der “Buddha”, was so viel bedeutet wie der “Erwachte”, der aus eigener Kraft allumfassende Weisheit um die Beschaffenheit des Seins erreichte. Obwohl der Buddha selbst nichts niederschrieb, hinterließ er doch ein bemerkenswertes Erbe in Form seiner Lehre (dem Dhamma), die zunächst nur mündlich durch seinen relgiösen Orden aus Mönchen und Nonnen (die Sangha), den er gegründet und geleitet hatte, verbreitet wurde. Dieser Orden überlebte die Jahrhunderte und erhält die Lehre des Buddha bis heute in Wort und Lebensweise. Bis heute sind diese drei Elemente – der Buddha, der Dhamma und die Sangha – als „die Drei Zufluchten“ oder „dreifaches Juwel“ bekannt, die Weisheit, Wahrheit und Tugend verkörpern. Werte, die wir in uns selbst kultivieren können. Nach dem Tod des Buddha verbreitete sich seine Lehre von Indien über Asien und weiter in die Welt. In ihrer Verbreitung wurde sie Teil verschiedener regionaler Kulturen, wodurch verschiedene „Schulen“ des Buddhismus entstanden. Im Allgemeinen spricht man von drei Schulen: Theravada („Die Lehre der Alten“), die sich über Sri Lanka, Burma, Thailand erstreckt, Mahayana („Das große Gefährt“), die verschiede Traditionen in China, Korea und Japan umfasst; und Vajrayana („Das diamantene Gefährt“), die vor allem in Tibet verbunden wird. Lehrer aller dieser Schulen haben inzwischen den Westen erreicht, manche erhielten die ürsprüngliche Lehre ihrer Heimat, andere passten sich mit weniger traditionellen Sichtweisen an. Die folgenden Ansätze und Zitate entstammen der Theravada-Schule.
Der buddhistische Pfad
Der Buddha lehrte den Pfad zum spirituellen Erwachen, einen Weg der Übung und Tat, dem wir in unserem Leben folgen können. Dieser „Pfad der Übung“ kann in drei, einander unterstützende, Aspekte unterteilt werden: Tugend, Meditation und Weisheit. „Wo Aufrichtigkeit ist, ist Weisheit, und wo Weisheit ist, ist Aufrichtigkeit. Mit dem Aufrichtigen ist die Weisheit und mit dem Weisen ist die Aufrichtigkeit. Tugend und Weisheit seien das erklärte Ziel der Existenz.“
Tugend
Um sich dem Pfad Übung des Buddha formal zu verpflichten kann man von einem Mönch oder einer Nonnen die „drei Zufluchten“ und fünf Gebote erbitten, oder sich diese selbst auferlegen. Die Zuflucht nehmen ist Ausdruck der Verpflichtung, im Einklang mit den Prizipien Weisheit, Wahrheit und Tugend zu leben und der Lehre und dem Beispiel des Buddha zu folgen. Diese fünf Gebote sind Lebensregeln denen unser Handeln im Alltag folgt sind: Verzicht Leben zu vernichten; nicht zu nehmen, was nicht gegeben wurde; Verzicht auf sexuelle Verfehlungen; Verzicht auf falsche Rede, Einhalten von Versprechen; Verzicht auf berauschende Getränke und Drogen. Jemand der nach diesen Regeln lebt entwickelt die Selbstdisziplin und das Gespür, die für die Meditation, den zweiten Aspekt des buddhistischen Weges, nötig sind.
Meditation
Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Meditation das wiederholte Sammeln der Aufmerksamkeit auf ein Bild, Word oder Thema um den Geist zu beruhigen und um sich die Bedeutung des Bildes oder Wortes bewußt zu machen. Die buddhistische Technik der Einsichtsmeditation zielt auf einen weiteren Zweck: dem umfassenden Verständnis von der Beschaffenheit des Geistes. Dies kann mit einem Meditationsobjekt das als Referenzpunkt dabei hilft, unsere inneren Einstellungen, die sonst underhalb der oberflächlichen Aktivität des Geistes ruhen, aufzudecken. Der Buddha ermutigte seine Anhänger, ihren eigenen Körper und Geist als Objekt der Meditation heranzuziehen. Das Gefühl, das mit dem Atem verbunden wird, ist dabei eines der häufigen Meditationsobjekte. Mit geschlossenen Augen sitzend und in Konzentration auf das Gefühl des natürlichen Atems, werden sich nach einiger Zeit innere Ruhe und Klarheit einstellen. In diesem Zustand können innere Spannungen, Erwartungen und Launen untersucht, verstanden und beseitigt werden. Der Buddha lehrte, dass die Meditation auch in unserem alltäglichen Handeln aufrecht erhalten werden kann, wenn die innere Beobachtung auf den Bewegungen und Empfindungen des Körpers oder den Gedanken, die uns durch den Kopf gehen, gerichtet ist. Diese Form der permanenten Aufmerksamkeit nennt sich „Gewahrsein“. Der Buddha erklärte, dass durch Gewahrsein eine ruhige und friedfertige Aufmerksamkeit verwirklicht werden kann. Obwohl diese auf den Körper und den Geist zielt, bleibt sie frei von Leidenschaften und Verstrickung in körperliche oder geistige Eindrücke und Erfahrungen. Diese Befreiung und Entsagung ist ein erster Vorgeschmack auf das was im Buddhismus Nibanna (Sanskrit: Nirvana) genannt wird – einem Zustand des Friedens und Glückes frei von den herrschenden Umständen. Nibanna ist ein „natürlicher“ Zustand, die wahre Natur des Geistes frei von Druck und irreführenden Gewohnheiten. Lediglich das Aufwachen genügt um den Traumzustand zu beenden, der Geist ist durch Gewahrsein klar und wird nicht weiter durch bessesenen Gedanken, Zweifel und Sorgen getrübt. Obwohl Gewahrsein ein wichtiges Werkzeug ist, braucht der Geist Anhaltspunkte um die richtige Objektivität über das Sein zu entwickeln. Hierzu dienen die Lehren des Buddhas über die Weisheit.
Weisheit
Die zentralen Lehren des Buddha über die Weisheit sind keine Aussagen über Gott oder entgültige Wahrheit. Der Buddha war der Auffassung, dass dies zu Ablehnung, Widersprüchlichkeit und auch zu Gewalt führen kann. Stattdessen beschreibt buddhistische Weisheit etwas, dass jeder einzelne für sich selbst erfahren kann ohne sich einem religiösen Glauben von der unveränderlichen Wahrheit oder einem göttlichen Wesen unterzuordnen. Die Wahrheit seiner Lehren wird durch die eigenen Erfahrungen herausgefordert und bestätigt. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedlich Möglichkeiten Wahrheit auszudrücken – was jedoch wirklich zählt ist der Wert der eigenen Erfahrung und ob die gefundene Wahrheit das Leben bewusster und anteilnehemender macht. Die Lehre wird somit zum Werkzeug, das den Geist von flaschem Verständnis befreit. Wenn der Geist klar ist, kommt die wahre Beschaffenheit der Realität zum Vorschein, wie auch immer wir sie in konkrete Worte oder Gedanken gefasst werden soll.
Die vier edlen Wahrheiten
Um Aufschluss darüber zu geben, dass das vorherrschende Verständnis des Seins unzureichend ist, sprach der Buddha von Dukkha, was so viel bedeutet wie „Unzufriendenheit“. In seinen Reden fasst er die Wurzel, das Ende und der Weg aus der Unzufriedenheit als die Wahrheit über Dukkha (auch übersetzt als „Leid“) zusammen. Dieser Kern der Lehre, der der eigenen Erfahrung standhalten muss und als Orientierung dient, ist als die „vier edlen Wahrheiten“ bekannt.
Die erst edle Wahrheit: Das Leben ist Dukkha.
Das Leben, so wie wir es erfahren, besteht aus einem Anteil aus unangenehmen Erfahrungen: Krankheit, Schmerz und Leid sind offensichtliche Erscheinungen. Und auch in einer modernen wohlhabenden Gesellschaft leiden Menschen unter Ängsten, Stress und Orientierungsverlust; oder sie fühlen nicht in der Lage mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Hinzu kommt, dass angenehme Ehrfahrung nicht von Bestand sind, sondern für eine bestimmte Zeit anhalten. Dukkha kann durch den Verlust einer nahestehenden Person oder einer bitteren Enttäuschung entstehen. Es ist offensichtlich, dass unsere herkömmlichen Reaktionen auf diese Gefühle – wie Hedonismus, Suche nach anderen Beziehungen und Erfolgserlebnissen – nur kurzfristig weiterhelfen, denn Dukkha entstammt einem inneren Bedürfnis. Da die Wurzel in uns selbst liegt, werden die Suche und Anhäufungen von äußeren angehmen Ersatzerbefriedigungen stets erfolglos bleiben. So lange wir unsere Erfüllung in dem suchen, was vergänglich und verletzlich ist – und es braucht nicht viel Verständnis um herauszufinden wie verletzlich unser Körper und unsere Gefühle sind – werden wir weiter unter Enttäuschungen und Verlust Leiden.
„Haben, was wir ablehnen ist Dukkha. Getrennt sein von dem was wir mögen ist Dukkha, nicht bekommen was wir uns wünschen ist Dukkha. Kurzum, zwanghafte Gewohnheiten des Körpers und des Geistes sind Dukkha.“
Die zweite edle Wahrheit: Es gibt eine Ursache für Dukkha.
Der Buddha erkannte, dass die Ursache von Unzufriedenheit in falschen Antrieb liegt. Warum? Indem wir unsere Erfüllung in dem suchen was vergänglich ist, sehen wir nicht was unser Leben uns wirklich bietet, wenn wir aufmerksam hinschauen. Nutzen wir dieses spirituelle Potenzial aus Unwissenheit nicht, werden wir weiterhin durch unsere Empfindungen und Launen getrieben. Wenn jedoch durch Gewahrsein klar wird, dass wir einer schlichten Angewohnheit anstatt der wahren Natur der Realität folgen, wird klar, dass wir dies ändern können.
Die dritte edle Wahrheit: Freiheit von Dukkha.
Sobald wir die zweite Wahrheit verstanden haben, ergibt sich die dritte Wahrheit von selbst, wenn wir auf Abstand von unseren, bewussten und unbewussten, egoistischen Gewohnheiten gehen, können wir uns von der Unzufriedenheit über unsere Existenz befreien. Wenn wir auf das Leben frei von Angriffs- oder Verteidigungshaltung, die von Vorurteile und eingefahrenen Vorstellungen gesteuert sind, antworten, ruht der Geist in innerer Harmonie. Hierdurch verlieren Ansichten und Gewohnkeiten – also auch unsere Vorurteilen und eingefahrenen Vorstellungen, die uns steuern und das Leben unzulänglich und feindlich erscheinen lassen – an Kraft und lassen sich in Bahnen lenken, von denen wir selbst und unser Umfeld profitiert.
Die vierte edle Wahrheit: Der Weg der Befreiung von Dukkha.
Um den Blick auf unser Leben zu schärfen sind praktische Erkenntnisse nötig, da es ist nicht möglich sich von etwas zu lösen, auf das der Geist noch nicht geschult wurde. Ist man ausreichend vorbereitet, wird sich Nibanna von selbst eröffnen. Alles was hierzu von Nöten ist, ist zu wissen, dass dieser Weg existiert und welche Bedingungen auf diesem Weg zu erfüllen sind. Der „Weg“ wurde bekannt als der „achtgliedrige Heilspfad“. Das achtspeichige Rad in der Symbolik des Buddhismus, stellt dar wie sich die acht Aspekte des Heilpfades einander fördern. Die buddhistische Praxis besteht daher aus den Faktoren: Rechte Anschauung – Rechte Gesinnung – Rechte Rede – Rechtes Handeln – Rechte Lebensführung – Rechtes Mühen – Rechte Achtsamkeit – Rechte Sammlung. Diese „Richtigkeit“ ensteht durch ein Leben mit Tugend, Meditation und Weisheit, und steht im Gegensatz zu irreführenden, ichbezogenen Ansichten. Dieser Weg wird sowohl uns selbst, als auch anderen gerecht.
„Der, der die Weisheit verinnerlicht denkt nicht daran sich selbst, einem anderen oder beiden Leid zuzufügen. Er denkt an das eigene Wohl, das Wohl des anderen, das Wohl beider und das Wohl der Welt.“
Auf dem buddhistischen Pfad
Auf die Frage warum man seine Anhänger stets inneres Glück ansah antwortete der Buddha: „Sie bedauern weder die Vergangenheit, noch brüten sie über die Zukunft. Sie leben im ganz im Jetzt und daher strahlen sie.“
Jemand, der den buddhistischen Pfad in Zeiten von Rückschlägen und Herausforderungen voll entwickelt hat findet Klarheit und Geduld, sowie das Bedürfnis, diesen Reichtum mit anderen zu teilen. Er lebt frei von Schuld und in den Umständen, die uns umgeben bleiben Herz und Verstand dort wo sie von Nutzen sind, anstatt sinnlosen und schädlichen Stimmungsschwankungen zu verfallen. Dies sind die Früchte der Lehre, die wie alle anderen Früchte auch langsam, geduldig und mit Beharren herangezogen werden müssen. Aus diesem Grund sind Anleitung – oder auch die schlichte Anwesenheit von Gleichgesinnten – unabkömmlich. Die Zuflucht in der Sangha besinnt sich hierauf. Allgemein bezieht sich der Begriff „Sangha“ auf spirituelle Weggenossen, stellt jedoch die auf Almosen angewiesenen Mönche und Nonnen in den Vordergrund, die unter einem detailierten Verhaltenkodex stehen und den Laien unmissverständlich die Werte des buddhistischen Weges vorleben. Buddhistische Nonnen und Mönche sind keine Prediger – es ist ausdrücklich untersagt zu belehren, so weit nicht ausdrücklich darum gebeten wurde –, sondern spirituelle Wegbegleiter und ihr Verhältnis zum buddhistischen Öffentlichkeit besteht in der gegenseitigen Unterstützung. Es ist ihnen verboten Nahrungsmittel anzubauen oder Geld zu besitzen. Sie müssen mit der Gesellschaft verbunden bleiben und deren Unterstützung wert sein. Ein buddhistisches Kloster ist somit kein Notausstieg, sondern ein Ort an dem man bleiben und die Lehre erfahren kann; und vor allem zu erleben, dass jeder Akt der Unterstützung mit Wertschätzung beantwortet wird. Auf diese Weise bieten Mönche und Nonnen weit mehr als Leitung und Begleitung, sondern geben auch die Möglichkeit Selbstbewusstsein und Selbstrespekt aufzubauen. „Glaube nicht zu leichtfertig an Tugend indem Du sagst: ‚Nichts wird mir zur Besserung helfen.‘ Denn ein Krug füllt sich auch mit stetigen Tropfen; ebenso erreicht der Weise sein Wohl mit kleinen Schritten.“

