Seiten

Dienstag, August 31

G. Ott

Warten auf Godot
°
"Warten auf Godot" erschien 1952 und wurde am 5. Januar 1953 in Paris uraufgeführt. Das Stück erzählt keine eigentliche Geschichte, sondern zeigt eine mehr oder weniger statische Situation auf. Es geschieht praktisch nichts: Neben einer Landstrasse am Fusse eines Baumes warten die beiden Landstreicher Wladimir und Estragon auf Godot. So stellt sich die Situation am Anfang des ersten Aktes. Gegen Ende des ersten Aktes erfahren die beiden, dass Godot mit dem sie eine Verabredung haben, nicht kommen kann, aber Godot lässt durch einen Jungen ausrichten, dass er bestimmt am folgenden Tag erscheinen wird. Im zweiten Akt geschieht genau das Gleiche, der gleiche Junge bringt ihnen die gleichlautende Nachricht: Godot wird erst am folgenden Tag erscheinen. Einzig die Abfolge der Geschehnisse und die Dialoge unterscheiden sich. Wiederholt - unter anderen Umständen - treffen die beiden Landstreicher auf ein zweites Personenpaar, Pozzo und Lucky, Herr und Diener. In jedem Akt versuchen sich Wladimir und Estragon in der Hoffnungslosigkeit des unaufhörlichen Wartens umzubringen und scheitern jedesmal daran.
Die Hauptfiguren des Stückes ergänzen sich gegenseitig und sind gleichzeitig voneinander abhängig. Wladimir ist der Nüchterne, Sachliche, Estragon behauptet von sich, ein Dichter zu sein, er ist launisch und träumt vor sich hin. Wladimir erinnert sich an Vergangenes, Estragon hat die Tendenz alles sehr schnell wieder zu vergessen. Vor allem Wladimir hofft, dass Godot kommen wird, Godots Erscheinen die Situation grundlegend ändert, währenddem Estragon bis zum Schluss skeptisch ist und sogar mehrmals den Namen "Godot" vergisst.
Eine ähnliche gegenseitige Ergänzung findet sich ebenfalls bei Pozzo und Lucky, hier handelt es sich nicht um eine Freundschaft sondern mehr um eine gegenseitige Abhängigkeit: Pozzo ist der tyrannische Meister, Lucky der unterdrückte Diener. Im ersten Akt ist Pozzo reich und mächtig, selbstbewusst und stellt den 'Mann von Welt' dar, währenddem Lucky für ihn denkt und handelt. In Tat und Wahrheit hat Lucky seinem Meister alles beigebracht. Die Beiden stehen in einer Beziehung zwischen Wesen und Sein, Materiellem und Spirituellem.
Der Titel "Warten auf Godot" lässt vermuten, dass Godot eine abgeleitete Form des englischen Wortes "God" (Gott) ist. Godot ist die "Verkleinerungsform", die im Französischen ähnlich wie Pierrot von Pierre oder Charlot von Charles abgeleitet wird. Wenn das Warten auf Godot ein Warten auf Gott ist, der die beiden Protagonisten Wladimir und Estragon erlösen soll, ergibt sich eine denkbare Erklärung: Die Menschen streben auf einen Gott hin, der sie erlöst. Die Verheissung durch den Jungen bedeutete eine mögliche Metapher für das "Bodenpersonal Gottes". Der Begriff "Gott" beinhaltet verschiedenste Implikationen und Unklarheiten. Während dem elendiglichen Warten und der ewigen Ungewissheit, bleibt einzig und allein die Hoffnung, die zeitweise in Hoffnungslosigkeit überschlägt. Warten, harren auf etwas, umfasst die Hauptthematik des Stückes und ist Teil des menschlichen Lebens. Im Leben warten wir ständig auf etwas. Godot vertritt den Gegenstand dieses Wartens, ein Ereignis, eine Person, den Tod oder eben Gott. Im 'Akt des Wartens' vergeht die Zeit. Das Leben ist dauernden Veränderungen unterworfen - "the only constant since the beginning of time is change" - Wartend sind Wladimir und Estragon der Welt, den Geschehnissen ausgeliefert und können diese nicht beeinflussen, sie schwanken zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, je länger sie warten umso aussichtsloser wird die Situation. Wladimir und Estragon leben in der Hoffnung, Godots Erscheinen würde die Zeit aufhalten. Sie hoffen, von der ewigen Ungewissheit und der Illusion gerettet zu werden.
Der Junge, der ihnen die Nachricht überbringt erkennt die beiden von Tag zu Tag nicht mehr, ähnlich bei Pozzo und Lucky: Pozzo vermag sich nicht mehr an Wladimir und Estragon erinnern. Die Zeit verändert die Menschen oder die Menschen verändern sich stetig im Ablauf der Zeit. Es passiert nichts Reelles in "Warten auf Godot" - im Sinne, dass es dem Betrachter absolut absurd erscheint, jemanden nach kurzer Zeit nicht mehr zu erkennen. Andererseits stehen Wladimir und Estragon, indem sie Warten, abseits der Zeit - ausserhalb der Zeit. Wladimir kann sich an den Jungen, an Pozzo und Lucky und an Godot erinnern, wenn auch nicht mehr so klar. Die anderen Protagonisten verändern sich im Laufe der Zeit und erinnern sich nicht mehr. Das Stück bleibt widersprüchlich in diesem Punkt, da diese fortwährenden Veränderungen ebenfalls illusorisch erscheinen, im Anbetracht des gesamten Stückes: in jedem Akt läuft eigentlich das Gleiche ab. Die Situation bleibt letztenendes statisch; die abschliessenden Worte Estragons lauten "Gehen wir!" Die darauffolgende Regieanweisung beschreibt die darauffolgende Unbeweglichkeit "Sie gehen nicht von der Stelle".

Es besteht eine starke Unsicherheit durch das ganze Stück hindurch, die zwei Landstreicher warten auf Godot, obwohl sie gar nicht mehr genau wissen, ob sie tatsächlich mit ihm verabredetet sind. Estragon erinnert sich nicht mehr, Wladimir weiss nicht mehr, was sie ihn genau gefragt haben: "... Eigentlich nichts Bestimmtes ... Eine Art Gesuch ... Eine vage Bitte ..." und Godot hat ihnen versprochen: "... Er würde mal sehen ...Er müsse überlegen...".
Wiederkehrende Motive sind die andauernde Ungewissheit in der Verabredung mit Godot, die Irrationalität dieser Person an sich und die sich steigernde Hoffnungslosigkeit. Nur weil sie an den Versuchen scheitern, sich umzubringen, verbleiben sie wartend. Die beiden führen einen unaufhörlichen Dialog mit dem Ziel sich abzulenken, Estragon: "Das tun wir, um nicht zu denken".
"Warten auf Godot" ist ein Stück über die Zeit, über den Widerspruch zwischen Veränderung und Statik und über die Suche nach der Existenz des Menschen.

Donnerstag, August 26

see le

Die Liebe

Es gibt keinen Ersatz für Liebe. Die Liebe lässt sich zwar immer nur an ihren Ausdrucksformen erkennen; das heißt aber nicht, dass man durch die Einübung der Ausdrucksformen die fehlende Liebe ausgleichen könnte. Was der Liebende vom Geliebten will, ist nicht ein bestimmtes Verhalten, sondern dessen Liebe. Wer liebt, möchte nicht etwas vom anderen – auch nicht viel -, sondern ihn selbst. Der Geliebte könnte seine ganze Zeit, sein ganzes Geld, ja sein ganzes Leben für den anderen einsetzen – würde es nicht aus Liebe geschehen, dann wäre es nicht das, was der Liebende sich ersehnt. Die Liebe ist erst da am Ziel, wo sie als Antwort die gleiche Liebe findet. Sie ist völlig voraussetzungslos und bedingungslos, aber sie will folgenreich sein. Sie nimmt keinen Anstoß an den Grenzen und Schwachheiten des anderen und bejaht ihn, wie er ist – aber sie leidet daran, wenn sie selbst durch die Verweigerung des anderen begrenzt und an ihrer Entfaltung gehindert wird. Denn nichts will die Liebe mehr, als sich beim anderen und für den anderen entfalten. So ist sie auch gerne bereit, das Versagen und die Schuld des Geliebten zu vergeben, wenn nur die wechselseitige Offenheit und uneingeschränkte Zuwendung wiederhergestellt wird. Mehr als am Versagen des anderen leidet die Liebe nämlich an den Formen verdeckter Abwendung und Verschlossenheit – auch wenn sie noch so höflich und korrekt erscheinen. Viel lieber als eine aufgesetzte Stärke und Freundlichkeit erträgt die Liebe die Schwachheit und Unzulänglichkeit des anderen. Denn sie ist wirklich und ausschließlich am anderen selbst und nicht nur an Teilen seiner Person interessiert. Wenn es aber so ist, dass es dem Liebenden allein um den anderen geht und er keinen Ersatz für die Liebe des Geliebten kennt, dann kann es auch nur eins sein, was Gott in seiner grenzenlosen Liebe vor allem anderen von uns will – Nämlich, dass wir ”ihn lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft”.
Zugehörig
°
Sklaven gehören ihren Herren
und müssen sie gehörig fürchten.
Wer niemand anderem gehört
und keinem hörig ist,
der ist furchtlos und frei.
Die Liebenden aber sind
Frei und gebunden zugleich.
Sie können gehen,
aber sie wollen bleiben.
Sie können sich schützen,
aber sie wollen sich öffnen.
Sie gehören sich selbst,
aber sie geben sich hin.
Sie haben ihre Rechte,
aber sie leben ihre Liebe.
Sie fürchten sich nicht,
aber sie empfinden tiefe Ehrfurcht.
Sie sind nicht hörig –
Jedoch zugehörig.
Weh dem, der einem anderen gehört !
Weh dem, der keinen anderen hat !
Wohl dem, der niemandem gehört,
aber jemanden hat,
dem er zugehört !

mi mose

Freitag, August 20

Pánta chorei kaì oudèn ménei

Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln

Licht

Licht ist Licht ist Licht

Indigo

Die Natur der Indigoseelen
°
Als Indigoseele verfügst du über eine grundlegend andere innere Qualität des Denkens und Fühlens und der Energien, die du in dir trägst. Diese Unterschiede sind eine Quelle großer Hoffnungen und Möglichkeiten für die Welt und für die Zukunft. Du hast einen Sinn für Werte, eine Vision mit Potenzial, gehst empfindsam und repektvoll mit dem Leben um, und du hast ein Gespür für wechselseitige Verbundenheit, die zu einer bejahenden Lebenseinstellung in Würdigung und Unterstützung aller Lebewesen führt. Da wir als Seelengruppe mehr Einfluss auf die Welt und ihre Strukturen haben, werden wir grundlegende Veränderungen in der Gesellschaft hervorbringen.
°
Freiheit
Zu den wesentlichen Qualitäten von Indigoseelen gehören Freiheitsgefühl, Vision, Wahrhaftigkeit, das Bedürfnis zu wachsen, Sensibilität, Eingebundensein, ganzheitliche Wahrnehmung und Zentriertheit auf das Herz. Lasst uns diese Qualitäten einmal genauer betrachten, beginnend mit dem Freiheitsgefühl. Das Freiheitsgefühl ist wahrscheinlich eine der grundlegenden Qualitäten von Indigoseelen. Du bist mit einer inneren Stimme und einem Rhythmus des Seins verbunden. Du hast ein starkes Gespür für dich selbst und dafür, wer du bist. Und deshalb fällt es dir schwer, darauf zu hören, was andere dir sagen, dass du tun oder lassen solltest. Du bist auf dieses innere Leben eingestimmt und folgst ihm leichter als den äußeren Stimmen der Gesellschaft oder den Stimmen von anderen in deiner Umgebung. Somit könnte man dich in vielerlei Hinsicht einen "rebellischen Geist" nennen. Es ist nicht so, dass du aktiv rebellisch bist um der Rebellion willen; es ist eher so, dass du nicht einer Sache folgen willst, die das Leben einschränkt. In dir
herrscht ein starker Widerwille dagegen, von außen kontrolliert, eingeschränkt oder bedrängt zu werden. Und wenn dem so ist, kämpfst du dagegen an. Dieser Kampf in dir ist interessant. Er kann die Form äußerer Rebellion annehmen oder zu einem unnachgiebigen "Nein-Sagen" führen. Oft nimmt er auch subtilere Formen an ein inneres "Nein", auch wenn du im Außen "Ja" sagst. Der erste Typ, der offensichtliche "Nein Sager", bleibt oft in dieser Rebellion stecken und kann viel Energie darauf verwenden, für seine "Rechte" oder seine Grenzen zu kämpfen oder die gerechte Sache, die gerade in seinem Aufmerksamkeitsbereich liegt. Wenn du in diese Kategorie fällst, dann ist es deine Aufgabe, Flexibilität zu lernen, dich manchmal zurückzunehmen und zu lernen, auf harmonische Weise Kompromisse zu schließen. Aus energetischer Sicht musst du dein Herzchakra aktiver auf die Beziehungen und die Welt um dich herum ausrichten und deinen Solarplexus herunterfahren. Das ist gar nicht so leicht, weil du dich sehr stark darüber definierst, »gegen etwas« zu sein oder dich "für" etwas anderes einzusetzen. Der zweite Typ, der innere Nein und äußere Ja Sager, muss sich einer grundlegend anderen Herausforderung stellen. Das betrifft die Mehrheit der Indigoseelen. Wenn du dazu gehörst, bist du im Grunde ein freundlicher Mensch. Du bist nicht im Solarplexus zentriert (der Krieger, der Kämpfer, der Wettstreiter), in dem die vorhergehende Seelengruppe ihr Hauptkraftzentrum hat, die den größten Teil der heutigen Menschheit ausmacht; du bist im Herzen zentriert. Dadurch bist du respektvoller und sanfter, du willst keinen Konflikt und versuchst ihn zu vermeiden. Das führt zu einer deiner wichtigsten Herausforderungen: In dem Versuch, Konflikte zu vermeiden, willigst du oft in Dinge ein, mit denen du nicht einverstanden bist oder mit denen du dich nicht wohl fühlst. Du gehst Kompromisse ein. Es entsteht eine Spaltung in dir, eine Trennung zwischen dem, was du im Äußeren sagst und tust, und dem, was du im Inneren denkst
und fühlst, deinem tieferen Wissen, deinem Wahrheitsempfinden.
Das ist einer der Bereiche, in denen du als Indigoseele Herausforderungen erlebst. Die heutige Gesellschaft ist noch auf dem Fische-Zeitalter aufgebaut. Eine der Kehrseiten dieses Zeitalters ist die Vorherrschaft von Masken und Rollen, die unsere inneren Gefühle und die tiefere Wahrhaftigkeit verstecken. Und wie wir alle musst auch du mit anderen Menschen auskommen; du hast grundlegende Bedürfnisse nach Sicherheit, Liebe und Kommunikation, die erfüllt werden müssen. Das Ergebnis ist, dass du schließlich Rollen spielst oder Masken trägst, die für das Überleben in dieser Gesellschaft notwendig sind. Aber diese Masken fühlen sich nie richtig an. Diese Rollen sind zu einschränkend.
Manche Indigoseelen bekommen das hin und können gleichzeitig mit ihrem Wesenskern in Verbindung bleiben. Aber viele von euch verlieren den Kontakt zu ihrem tieferen Selbst. Du passt dich an doch nun entsteht eine Spaltung, und dein Wesenskern zieht sich zurück. Das Ergebnis ist, dass du in einer andauernden Identitätskrise lebst. Du spielst vielleicht die Rolle, fühlst dich jedoch nie wirklich wohl darin, oder du funktionierst vielleicht sogar gut in dieser Rolle (weil du sehr schlau und kreativ damit umgehst), aber irgendwie wirst du davon nicht richtig genährt.

Viele von euch nehmen eine Rolle an, weil es notwendig ist, doch darunter kämpft euer rebellischer Geist gegen deren Falschheit und Beschränktheit und sabotiert sie vielleicht. Das ist für zahlreiche Indigoseelen ein großes Thema: Wie sabotierst du die Rollen oder Situationen, in denen du dich befindest?
Aufgrund all dieser Dynamiken mit falschen Rollen, Masken und Identitäten haben viele Indigoseelen mit ihrer Identität in der Gesellschaft, mit Erfolg und äußerlichen Errungenschaften zu kämpfen. Entweder kannst du die Rolle nicht spielen, oder du kannst keine Rolle finden, die du bereit bist zu spielen oder du spielst eine Rolle, bekämpfst und sabotierst sie jedoch. Eine der grundlegenden Lernaufgaben für Indigoseelen besteht also darin, die für sie richtige Bedeutung von Freiheit und Individualität zu finden. Das spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab.
°
Indigoseelen sind Visionäre
Eines der wichtigsten Themen, das in Indigoseelen anklingt, ist die Vision. Du spürst tief in dir etwas "Neues", etwas, von dem du das Gefühl hast, dass es ein "besserer Weg" ist, ein lebensbejahender Weg. Du sehnst dich nach größeren Möglichkeiten. Wahrscheinlich hast du schon in deiner Jugend entsprechende Möglichkeiten gesehen. Vielleicht hast du als Kind immer gefragt: "Warum sollen wir das so machen? Es kommt mir einschränkend vor, es erscheint mir nicht respektvoll, warum?" Du wusstest, dass es einen besseren Weg gibt. Du hast es gespürt. Und es gibt einen besseren Weg! Du wurdest vielleicht nicht darin unterstützt, wenn du davon sprachst. Vielleicht hast du dich gefühlt wie ein einsamer Rufer in der Wüste, so dass du vielleicht verlernt hast, deinen Einsichten zu vertrauen, aber wie wenig du ihnen auch vertraut und wie sehr du auch gegen sie angekämpft hast, sie verschwanden nicht. Das ist der Geist des Neuen, der dich ruft. Manchmal sehen wir das Neue nicht, wir sind nur frustriert über das Alte. Wir wissen nicht, was das Neue ist, wir fühlen uns einfach nur eingesperrt, rastlos, unzufrieden. Du schaust dir die Gesellschaft an, ihre Institutionen, Organisationen und die Art, wie Beziehungen geführt werden, und du bist dir der Grenzen und Einschränkungen dieser Formen sehr bewusst. Es ist gut, dass du das siehst, denn es bewahrt dich davor, dich in diesen kollektiven Formen zu verfangen und zu verstricken. Aber es kann für dich auch zerstörerisch sein. Dein Verstand kann sich in einer Negativ Schleife verfangen. Dann siehst du, was falsch ist, hältst aber nicht danach Ausschau, was richtig gemacht werden könnte. Du fokussierst dich dann auf das Problem, statt die Lösung zu sehen. Wenn das auf dich zutrifft, lade ich dich ein, etwas tiefer zu schauen. Deine Unzufriedenheit kommt daher, dass ein Teil deines Geistes eingesperrt ist und nicht fließt. Du spürst, dass es da etwas Besseres, Freieres, Befreiteres, Lebensunterstützenderes gibt. Deine Herausforderung besteht darin, nach den neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten und danach, was der nächste und bessere Schritt ist: deine Vision zu finden und dann zu handeln und kreativ zu werden, sie zu kommunizieren und deine Vision auszudrücken. Das ist eine große Herausforderung. Es ist eine der größten Herausforderungen, deinem Herzen zu folgen, deiner Vision und deinem Geist, besonders, wenn du auf Unverständnis oder unverblümte Ablehnung von anderen stößt. Wenn du deine Vision zum Ausdruck bringen willst, wirst du in so vieler Hinsicht kurz gehalten. Vielleicht sagt man dir Dinge wie: "Hör auf zu träumen", "Das ist doch unrealistisch", "Bleib auf dem Teppich", "Das sind doch Fantastereien", "Sei nicht so naiv" …
Verbal oder nonverbal werden dir so viele negative Botschaften mitgeteilt. Hin und wieder bekommst du Unterstützung und findest Resonanz, aber zum größten Teil eben nicht. Erinnere dich daran, dass du als Botschafter der Veränderung hier bist. Du bist hier, um damit anzufangen, etwas Neues zu leben und zu verkörpern in deinem eigenen Leben, auf deine eigene Art. Und du bist hier, um das auf respektvolle Weise anderen mitzuteilen. Das erfordert Mut. Helle Seelen, visionäre Seelen haben sich schon immer inkarniert. Das sind die Seelen, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt, die von der Inquisition verfolgt wurden. Im kollektiven Gedächtnis der Menschen existiert also eine tiefe Angst vor der neuen Vision, die du in dir trägst. Diese Angst vor Verfolgung sitzt tief in deinen Zellen. In vielerlei Hinsicht ist dies eine der größten Ängste, die du überwinden musst. Deine Vision und deine Wahrheit waren in der Vergangenheit lebensbedrohlich, und dein Schutzsystem fühlt sich hochgradig von ihnen bedroht. Und doch leben wir jetzt wahrscheinlich zumindest in der westlichen Welt in der offensten und liberalsten Gesellschaft, die jemals existiert haben mag. Früher wäre eine weise Frau, die mit Kräutern, Energie und Heilung gearbeitet hat, als Hexe bezeichnet und verbrannt worden; heute hängt sie in einem Bioladen ein Plakat auf und hat eine Webseite. Es ist ein anderes Zeitalter, eine andere Zeit. Es gibt heute eine Freiheit und Toleranz, die wundervoll ist. Unsere Beschränkungen und Ängste beruhen also eher auf unserem kollektiven Gedächtnis als auf der
heutigen Realität. Das stellt nicht in Abrede, dass du in mancher Hinsicht für viele Menschen um dich herum immer noch ein Außenseiter und Fremder bist. Obwohl das vielleicht zu einer gewissen Ablehnung, zu Unverständnis, Peinlichkeit oder Isolierung führen wird, ist es nicht lebensbedrohlich. Du kannst damit umgehen. Und mehr als das: Es ist deine Herausforderung und deine Aufgabe, der Erbauer deiner Vision zu werden. Zunächst geht es vor allem darum, den Samen des Neuen, den du in dir trägst, zu würdigen. Du trägst sehr viele Bilder und Vorstellungen von neuen Seinsweisen in dir. Es ist, als verfügte deine Seele über eine Blaupause für das volle Erblühen der Möglichkeiten, die sich zu dieser Zeit in den Menschen entfalten möchten. Du hast das Gespür für einen neuen Weg, wie du psychisch und spirituell gesund sein kannst, für eine neuen Art, mit dem Körper, der Natur und materiellen Dingen in Beziehung zu treten. Du siehst neue Möglichkeiten von Beziehungen, neue Kommunikationsformen, neue Arbeitsweisen und Karrierewege, neue Arten, Geld zu verdienen, ein neues Verständnis von Macht, neue Gesellschaftsformen. Du hast Ideale einer neuen Medizin, einer neuen Erziehung, einer neuen Form von Familie, Regierung und so weiter. Und ich möchte dir ganz klar sagen: Du bist kein Träumer, der irgendwelchen Spinnereien nachhängt. Was du in dir trägst, ist das Wiedererkennen dessen, was die innere Welt enthält eine Blaupause für eine vollkommen neue Lebensart und Seinsweise. Es ist, als wärst du ein Samenkorn, das in deine genetische Blaupause eingetragen hat, zu was für einer Blume oder was für einem Baum es werden soll. Deine Wahrnehmung dieser Blaupause in deinem Inneren ist sehr real. Sie ist wahrscheinlich eine der stärksten und machtvollsten Kräfte in deinem Leben. Um das zu veranschaulichen: Versuch dir vorzustellen, dass du deine Träume aufgibst und ein traditionelles, konservatives Leben führst, ohne einen höheren Sinn und Zweck. Du kannst es nicht! Das ist die Kraft des Neuen, die Kraft der Vision, die dich ruft. Du bist ein Visionär. Hör auf deine Vision und vertraue ihr. Gib ihr Raum in deinen Gefühlen und Gedanken; gib ihr Raum in deinen Handlungen, Beziehungen und in dem, was du sagst. Indem du das tust, entwickelst du die Welt weiter!
Du baust neue Gedankenformen in die Dimension des Denkens ein, die den Planeten umgibt. Du erschaffst neue emotionale und energetische Schwingungen und Strukturen in der Energiewelt, die den Planeten umgibt. Erkenne dein Potenzial als Schöpfer. Du erschaffst, zusammen mit vielen anderen, neue Frequenzen, neue Paradigmen und neue innere Energiezustände, und später werden diese Energien äußere Formen und Strukturen annehmen.
Das intuitive Wahrheitsempfinden Ein anderes Gebiet, das für euch von größter Wichtigkeit ist, ist das, was ich als "intuitives Wahrheitsempfinden" bezeichnen möchte. Du hast ein Gespür dafür, was den Dingen zugrunde liegt. Jemand sagt vielleicht "Hallo" und lächelt und verhält sich nett, aber du spürst, dass er eine Maske aufsetzt und innerlich Schmerzen empfindet. Du siehst vielleicht, dass sich jemand großzügig verhält, spürst jedoch, dass er darunter manipulativ oder hinterlistig ist. Dieses "Wahrheitsempfinden" steckt tief in dir. Du besitzt eine »Wahrheitsliebe«. Wenn du eine Wahrheit erlebst, hat das für dich so etwas wie einen klaren und reinen Klang, den du in deinem Körper spüren kannst, und das macht deinen Geist glücklich. Die Herausforderung, der du gegenüberstehst, besteht darin, dass wir in einer Welt voller Täuschungen und Lügen leben. Wir leben in einer Gesellschaft, die auf dem äußeren Anschein beruht, nicht auf Wahrheit. Wir werden als Kinder dazu erzogen, uns auf bestimmte Art und Weise zu verhalten, ein bestimmtes Gesicht zu zeigen. Das Ergebnis ist, dass viele von uns ihr Wahrheitsempfinden unterdrücken müssen. Wir müssen unsere eigenen Gefühle unterdrücken. Vielleicht fühlen wir uns unwohl mit etwas, das geschieht, aber wenn wir die Situation ohne zusätzliche Reibungen bewältigen wollen, müssen wir lächeln und freundlich sein. Einer der größten Verluste, die uns widerfahren können, besteht darin, dass viele von uns von ihrem Wahrheitsempfinden Abstand nehmen, zumindest auf bewusster Ebene. Vielleicht verstricken wir uns in einem Verhalten, dass wir meinen annehmen zu müssen, oder in dem Verhalten, das uns beigebracht wurde. Vielleicht legen wir auch Scheuklappen an. Wir sehen vielleicht das Gute in anderen Menschen, aber unsere Filter halten uns davon ab, die zerstörerischen Muster in einer Person zu erkennen, mit dem Ergebnis, dass wir verletzt werden. Wir möchten Dinge, die unbequem sind, nicht gerne sehen. Und eben das ist unsere Herausforderung: zu sehen, dass es Hell und Dunkel gibt. Menschliche Wesen tragen ein breites Spektrum von Energien in sich, das von einigen sehr hellen und wundervollen spirituellen Dimensionen bis zu einigen sehr dunklen, dichten und beängstigenden Energien reicht. Die meisten von uns haben gelernt, die Dunkelheit nicht zu sehen. Aber sie ist da. Sie ist aktiv und hat ihre Auswirkungen.
Ein wichtiger Teil deiner Herausforderung besteht also darin, den Mut zu haben, deine Augen zu öffnen, dein Drittes Auge zu öffnen, um die Wahrheit so zu sehen, wie sie ist. Und das heißt auch in dir selbst. Wir wollen die Dunkelheit in uns nicht sehen. Viele von uns haben auch Angst, das Licht in uns zu sehen, denn das könnte ja heißen, dass wir herausragen. Wir haben Angst davor, unsere Intelligenz, unsere Stärke, unsere Vision, unsere Liebe und unsere Spiritualität anzuerkennen. Die Wahrheit ist wundervoll erfrischend. Siehst du ein Problem und schaust ihm in die Augen, dann weißt du, worum es geht, und du kannst etwas tun. Leugnest du ein Problem und beschönigst es, hast du es nur unter den Teppich gekehrt, wo es gärt und noch mehr Schwierigkeiten verursacht.
Das gleiche gilt für das Gegenteil. Wenn du dich mit Wahrheit befasst, befasst du dich mit dem, was in den Tiefen deiner selbst und der anderen echt ist. In gewisser Hinsicht ist "Wahrheit gleich Intimität", denn wenn du in deiner Wahrheit bist und der andere ist in seiner Wahrheit, dann findet eine Begegnung des Inneren mit dem Inneren statt, und es begegnet nicht etwa eine verhüllende Maske der anderen verhüllenden Maske, wie es normalerweise geschieht. Wie kann zwischen Masken Intimität entstehen? Es ist, als wollten sich zwei Ritter in mittelalterlicher Rüstung umarmen. Wie intim kannst du werden, wenn du dich hinter einer Mauer aus Metall und Abwehr verschanzt?
Als Indigoseele trittst du also in eine neue Dimension von Beziehungen ein: eine Dimension, die auf Ehrlichkeit aufbaut, auf echter Kommunikation und auf der Intimität, die durch echte Kommunikation entsteht. Und um echt zu werden, musst du deine Mauern und Masken ablegen, dich zu erkennen geben und verletzlicher werden. Wahrheit, Ehrlichkeit, Intimität und
Verletzlichkeit sind alle eng miteinander verknüpft. Du strebst nach dieser Art von Beziehung, und nichts anderes wird dich zufriedenstellen.
°
Die tiefe Sehnsucht der Indigoseelen nach Wachstum
Dein Wahrheitsempfinden ist verbunden mit einem der tiefsten Bedürfnisse und Sehnsüchte aller Indigoseelen, deinem Wunsch nach Wachstum. Das ist deine Berufung. Du bist gesegnet mit einem immer wiederkehrenden Gefühl von Unzufriedenheit, das gleichzeitig dein Fluch ist: der Unzufriedenheit mit dem, der du bist, und damit, wie die Welt ist. Ein Teil von dir ist sich unablässig bewusst, dass du mehr sein könntest noch liebender, noch energiegeladener, noch einfühlsamer, noch kraftvoller, noch mehr, noch mehr, noch mehr in tausenderlei Hinsicht. Und das stimmt auch. Deine Seele ruft dir zu, dass du mehr sein solltest. Deine Seele will dich ausdehnen, damit du mehr sein kannst. Du arbeitest auf so viele Weisen fortwährend an dir selbst, forderst dich heraus, treibst dich an, damit du immer mehr wirst.
Ich nenne es einen Segen und einen Fluch, weil es einerseits ein Segen ist, dass du durch deine Ausdehnung tatsächlich mehr wirst. Dabei gebärst du dich selbst, bringst eine ganz neue Seinsweise, eine neue Menschheit zur Welt. Deine wahre Berufung, dein Drang zu wachsen, ist deshalb in vieler Hinsicht der größte Beitrag, den du für den Aufbau der Neuen Menschheit leisten kannst.
Der Fluch ist jedoch, dass du oft mit dir unzufrieden bist. Es gibt zwei wundervolle innere Unterpersönlichkeiten, den Kritiker und den Perfektionist, die sich einschalten und auf dich eindreschen, weil du nicht vollkommen bist. Und sie ziehen eine dritte Unterpersönlichkeit hinzu, den Antreiber, der dich unerbittlich auffordert, immer mehr zu werden. In der alten Gesellschaft war die Kraft des Antreibers darauf gerichtet, etwas in der Welt zu erreichen, äußeren Erfolg zu haben. Bei Indigoseelen wie dir geht es dem Antreiber darum, dich spirituell voranzubringen. Großer äußerer Erfolg und Millionen Euro sind dir nicht so wichtig. Sicher hättest du nichts dagegen, reich zu sein, und für viele ist ihr inneres Wachstum eng mit äußerem Erfolg verknüpft, aber eigentlich geht es dir um größere Authentizität, darum, ein offeneres Herz zu haben, mehr in deiner Kraft zu sein, wahrhaftiger, besser angebunden und so
weiter. Deine Aufgabe besteht also darin, die wundervolle Kunst zu lernen, die im Zen "Wu Wei" genannt wird die Kunst, zu tun, ohne zu tun, zu arbeiten, ohne zu arbeiten, vollkommen in deiner Kraft zu sein und dabei total entspannt. So kannst du eine neue Welt erschaffen und eine Zukunft vor dir sehen, die wundervoll ist, und hundert Prozent deiner Energie geben, damit sie ins Sein tritt, während du gleichzeitig nicht verhaftet bist und das Hier und Heute vollkommen akzeptierst.
Wenn wir auf diese Weise daran arbeiten, das Bestehende zu verändern, lernen wir, es anzunehmen und uns daran zu erfreuen, mit all seinen Beschränkungen und Unzulänglichkeiten.

ankommen

„Wer in denselben Fluß steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.“

„Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“

„Man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen.“

°
Heraklit

sehnsucht

Wohin zieht ihr Schwäne mit eurem Sang?
Hinaus auf das Meer weit vom Strand?
Der Bläue des Himmels nur folget ihr.
Ins ferne, ins fruchtbare Land.
Kennst du die geheimen Plätze, an denen die Regenpfeifer brüten? Die weiten baumlosen Ebenen, auf denen der Wind mit Wollgräsern und Zwergsträuchern spielt? Den verborgenen See, in dessen Morgennebel die Elche waten? Kennst du das Meer, das mit seinen Buchten und Armen mit dem Land verwoben ist?
Spürst du mit den Rufen der Wildgänse am Frühlingshimmel das Sehnen, mit ihnen in den Norden zu ziehen?

Dienstag, August 17

Per crucem ad Rosam

Durchs Kreuz zur Rose

Durch die Kreuzigung des gefallenen Egos zur geistigen Wiedergeburt

Dieser Spruch drückt das mystische Wissen aus, daß Jesus nicht nur als Geistwesen ein Dasein hat, welches in einem Ätherleib in Erdennähe weilt, sondern daß er das Zentrum der gesamten Gottheit, der gestalthafte Brennpunkt der göttlichen Liebe also auch des gesamten materiellen und geistigen Kosmos ist. Aus diesem Zentrum strahlt die Weisheit, der Logos, wie das Licht aus einer Flamme heraus.

Dieses Gotteszentrum gibt sich in dem Menschen Jesus einen menschlich materiellen Leib und strahlt in das Herz eines jeden Menschen einen verhüllten Funken aus dem Ur-Ich der Gottheit aus, so daß der Mensch in sich selbst, im Innersten, Gott finden und sich mit ihm vereinigen kann.

du

„Auch das Sein oder Nichtsein ist kein bedeutungshaltiges Zeichen der Sache [von der es gesagt wird], auch dann nicht, wenn man das "seiend" an sich selbst nackt sagen würde, denn es selbst ist gar nichts, sondern bezeichnet eine gewisse Verbindung [zu etwas] hinzu, welche ohne das Verbundene nicht zu denken ist“
- Aristoteles


„Der eine (zeigt), dass das (Seiende) ist und dass es unmöglich ist, dass es nicht ist. Das ist der Pfad der Überzeugung; folgt er doch der Wahrheit. Der andere aber (behauptet), dass es nicht ist und dass es dieses Nichtsein notwendig geben müsse. Dieser Weg ist – das sage ich dir – völlig unerforschlich. Denn das Nichtseiende kannst du weder erkennen (denn das ist unmöglich) noch aussprechen.“
– Parmenides

„Und da das Sein und das Verschiedene durch alles und auch durch einander hindurch gehen: so wird nun das Verschiedene als an dem Seienden Anteil habend freilich sein vermöge dieses Anteils, nicht aber jenes, woran es Anteil hat, sondern verschieden; als verschieden aber von dem Seienden seiend ist es aber offensichtlich ganz notwendig nichtseiendes Sein. Wiederum nun das Seiende, als am Verschiedenen Anteil habend, ist ja verschieden von allen anderen Gattungen, und von ihnen insgesamt verschieden ist es ja eine jede von ihnen nicht, noch auch alle anderen insgesamt, sondern nur es selbst.“
– Platon

„Ich sage also, was nur irgendeine Wirkkraft (dynamis) besitzt, es sei denn ‚von Natur irgendetwas anderes zu tun‘ (poiein) oder wenn auch nur das geringste vom unbedeutendsten zu erleiden - und wäre es auch nur ein einziges mal -, alles in exakter Weise sei (ontus einai); denn ich setze als Definition (Grenze), um das Seiende in seinem Sein abzugrenzen, nichts anderes als Wirkkraft.“
– Platon

„Das Erste nämlich muss ein Einfaches vor allen Dingen Liegendes sein, verschieden von allem was nach ihm ist, für sich selbst seiend, nicht vermischt mit etwas was von ihm stammt, und dabei doch in anderer Weise fähig, den Dingen beizuwohnen, wahrhaft eines seiend und nicht zunächst etwas anderes und dann erst Eines. […] Denn wenn es nicht einfach wäre, entrückt aller Zufälligkeit und aller Zusammengesetztheit, und wahrhaft eigentlich Eines, dann wäre es nicht mehr der Urgrund; erst dadurch, dass es einfach ist, ist es von allen dingen das Unabhängigste und so das Erste.“
– Plotin

„Wenn die Ideen nun viele sind, so muss es notwendig ein Gemeinsames in ihnen geben und auch ein Eigenes, wodurch sich die eine von der anderen unterscheidet. Dies Eigene also, dieser absondernde Unterschied ist die individuelle Gestalt der Idee. Ist aber eine Gestalt da, so gibt es etwas, das gestaltet wird, an dem der spezifische Unterschied ist; es gibt dort also auch Materie welche die Form aufnimmt und für jede das Substrat ist. Ferner wenn es in der oberen Welt einen intelligiblen Kosmos gibt und der irdische sein Abbild ist, dieser aber zusammengesetzt ist unter anderem aus Materie, so muss es auch dort Materie geben.“
– Plotin

„Sein ist offenbar kein reales Prädikat, das ist ein Begriff von irgend etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzu kommen könnte. Es ist bloß die Position eines Dinges oder gewisser Bestimmungen an sich selbst. Im logischen Gebrauch ist es lediglich die kopula eines Urteils. Der Satz Gott ist allmächtig enthält zwei Begriffe, die ihre Objekte haben: Gott und Allmacht; das Wörtchen: ist, ist nicht noch ein Prädikat, sondern nur das, was das Prädikat beziehungsweise auf das Subjekt setzt. Nehme ich nun das Subjekt (Gott) mit all seinen Prädikaten (worunter auch die Allmacht gehöret) zusammen und sage: Gott ist, oder es ist ein Gott, so setze ich kein neues Prädikat zum Begriffe von Gott, sondern nur das Subjekt an sich selbst mit allen seinen Prädikaten, und zwar den Gegenstand in Beziehung auf seinen Begriff . Beide müssen genau einerlei enthalten, und es kann daher zu dem Begriffe, der bloß die Möglichkeit ausdrückt, darum, dass ich dessen Gegenstand als schlechthin gegeben (durch den Ausdruck: er ist) denke, nichts weiter hinzukommen. Und so enthält das Wirkliche nichts mehr als das bloß Mögliche.“
– Kant

„Die Vorstellung der Existenz muss also genau dasselbe sein wie die Vorstellung dessen, was wir als existierend konzipieren. Sich in der Reflexion auf irgendetwas einfach zu beziehen und sich dabei auf Existierendes zu beziehen, sind nicht zwei verschiedene Dinge. Die Vorstellung der Existenz fügt, wenn sie mit der Vorstellung eines beliebigen Gegenstandes verbunden ist, nichts zu ihr hinzu. Was immer wir vorstellen, stellen wir als existierend vor. Jede Vorstellung, die es uns beliebt zu vollziehen, ist eine Vorstellung von etwas Seiendem. Wer dies bestreitet, muss notwendig auf den bestimmten Eindruck hinweisen können, aus dem die Vorstellung des Seins sich herleiten könnte, und zeigen, dass dieser Eindruck von jeder Perzeption, die wir als existierend betrachten, untrennbar ist.“
– Hume

„Das reine Sein macht den Anfang, weil es sowohl reiner Gedanke als das unbestimmte, einfache Unmittelbare ist, der erste Anfang aber nichts Vermitteltes und weiter Bestimmtes sein kann.“
– Hegel

„Es ist ein großer Gedanke, vom Sein zum Werden überzugehen; es ist (bei Heraklit) noch abstrakt, aber zugleich ist es auch das erste Konkrete, die Einheit entgegengesetzter Bestimmungen. Diese ist so in diesem Verhältnis unruhig, das Prinzip der Lebendigkeit ist darin. Es ist darin der Mangel ersetzt, den Aristoteles an den früheren Philosophien aufgezeigt hat, - der Mangel an Bewegung; diese Bewegung ist nun hier selbst Prinzip. Es ist so diese Philosophie keine Vergangene; ihr Prinzip ist wesentlich […]. Es ist eine große Einsicht, dass man erkannt hat, dass Sein und Nichtsein nur Abstraktionen ohne Wahrheit sind, das erste Wahre nur das Werden ist. Der Verstand isoliert beide als wahr und geltend; hingegen die Vernunft erkennt das eine in dem anderen, dass in dem einen sein Anderes enthalten ist, - und so ist das All, das Absolute zu bestimmen als das Werden.“
– Hegel

„Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man urteilt; wir ziehen uns aber auch vom ‚großen Haufen‘ zurück, wie man sich zurückzieht.“
„Alles Ursprüngliche ist über Nacht als längst bekannt geglättet. Alles Erkämpfte wird handlich. Jedes Geheimnis verliert seine Kraft. Die Sorge der Durchschnittlichkeit enthüllt wieder eine wesenhafte Tendenz des Daseins, die wir die Einebnung nennen wollen“.
- Heidegger

Dienstag, August 10

freude

Der Engel sagte:

NUR IN DER FREUDE BIN ICH GEGENWÄRTIG

DIE FREUDE IST DIE NEUE SCHWINGUNG,

DIE NICHTS ALTEM GLEICHT


Über die FREUDE
Die FREUDE ist eine sehr hochschwingende, wunderschöne Energie. Sie ist Bestandteil der Bedingungslosen LIEBE, d.h. einer ihrer Aspekte. Jeder von uns hat schon einmal Freude verspürt. Aber zwischen der Freude und der FREUDE ist ein, im wahrsten Sinne des Wortes: Himmelweiter Unterschied. Denn die Freude kommt von uns, die FREUDE aber vom Himmel. Weil wir aber auch vom Himmel sind, könnten wir auch die FREUDE fühlen - wir kennen sie aber nicht mehr, haben sie vergessen.

So sagten die Engel:

ALLES HAT SEINE ERKLÄRUNG,

DIE FREUDE HAT KEINE ERKLÄRUNG


WIR KÖNNEN NICHT SAGEN,

WARUM WIR UNS FREUEN,

UND DENNOCH IST FREUDE UNSER DIENST

WAS IHR ERHALTET,

IST FREUDENQUELLE FÜR FREUDENLOSE

Montag, August 9

trait d'esprit

Der von Neurosen geplagte Schriftsteller Schreiber unterzieht sich monatelangen Sitzungen auf der Couch des bekannten Psychiaters Ostermann. Er beklagt seine Ängste um den Verlust der Sprache und hofft auf therapeutische Hilfe bei der Bewältigung seiner Probleme. Geduldig geht Schreiber auf die immer wieder kehrenden Fragen nach seinen Träumen und unbewältigten Kindheitserlebnissen ein. Der Seelenarzt verordnet beliebig Psychopharmaka, deren Dosis er beim nächsten Treffen bereits wieder vergessen hat. Bei der pünktlichen Forderung nach seinem Honorar nach exakt 45 Minuten Zuhörens ist der Arzt allerdings sehr genau. Freundlich aber bestimmt unterbricht er seinen Patienten mit dem stereotypen Satz: ”Unsere Zeit ist um. Wir sehen uns beim nächsten Mal” und vertröstet ihn bis zur nächsten Sitzung.
Das sogenannte ”Mosaik”, an welchem der Psychiater arbeitet, will sich auch nach zweijähriger kostspieliger Behandlung nicht zusammensetzen lassen. Auch die Tabletten gegen den Sextrieb bringen nicht die erhoffte Erleichterung. Der Patient resigniert zunehmend von Sitzung zu Sitzung, von Scheck zu Scheck. ”Das Leben besteht aus Geduld”, bekommt der verzweifelte Autor zu hören. ”Für heute ist unsere Zeit um. Wir sehen uns nächste Woche. Auf Wiedersehen!”

bindungen

Zum Abend noch eine schweizerische Anekdote zur Fernwirkung von Absichten. Es ist die Geschichte eines besonders beeindruckenden Ehemanns, der zufällig ein Nobelpreisträger ist, Professor Richard Ernst, Zürich. Sheldrake erzählt: „Im Jahr 2000 erfuhr ich von seinen verborgenen Gaben, nachdem ich in einem Vortrag auf der Jahreskonferenz der Schweizer Akademie der Wissenschaften von meinen Forschungen über Tiere, die die Rückkehr ihrer Besitzer antizipierten, berichtet hatte. Beim Abendessen saß ich seiner Frau gegenüber. Da machte sie eine rätselhafte Bemerkung: ,Mein Mann glaubt zwar nicht, was Sie sagen, aber er kann es selbst!‘ Natürlich fragte ich sie, was sie damit meine. Sie erzählte mir, als sie einmal ihre schwer kranke Mutter in Zürich besuchte, wusste sie nicht im Voraus, wann sie wieder nach Hause kommen würde, sie rief ihren Mann aber auch nicht an, um ihm zu sagen, welchen Zug sie nehmen würde. ,Als ich ankam, wartete mein Mann am Bahnhof auf mich. Er konnte nicht erklären, woher er wusste, mit welchem Zug ich kam. Er sagte einfach, er wollte mich abholen, um sicherzugehen, dass ich gut angekommen sei.‘“

Freitag, August 6

heimlich

Das Unheimliche in der Psychoanalyse

1919 veröffentlichte Freud einen Aufsatz über das Unheimliche. Dieser Aufsatz befasst sich mit einer wichtigen Komponente der Romantik, die auch dem Emmerick - Ereignis und der sich darum rankenden Literatur als Unterbau dient. Im folgenden ist Freuds Arbeit in seinen Kerngedanken zusammengefasst.
Freud versucht sich dem Gegenstand über eine sprachliche Analyse zu nähern. Er bemerkt, dass das "Unheimliche" nicht immer in einem scharf umgrenzten Sinne gebraucht wird, jedoch immer mit etwas Angsterregendem zusammenfällt. Das Ergebnis seiner sprachlichen Untersuchung ist, dass das "Unheimliche" jene Art des Schreckhaften sei, welches auf das Altbekannte, Längstvertraute zurückgeht. Unheimlich sei vorgeblich der Gegensatz zu heimlich, heimisch, vertraut. Vieles Neuartige sei leicht schreckhaft und unheimlich, durchaus aber nicht alles. Oberflächlich betrachtet wäre das Unheimliche dasjenige, in dem man sich nicht auskenne. Bei der ausführlichen Analyse stößt Freud darauf, dass die Unterscheidung heimlich / unheimlich doch nicht so eindeutig ist. Er verweist auf den Urromantiker Schelling, der bemerkt habe, unheimlich sei alles, was ein Geheimnis, was im Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten sei und kommt zu Schluss: "Also heimlich ist ein Wort, das seine Bedeutung nach einer Ambivalenz hin entwickelt, bis es endlich mit seinem Gegensatz unheimlich zusammenfällt."
Freud entnimmt der phantastischen Literatur das Beispiel des Sandmanns von Hoffmann und zieht daraus die ersten Schlüsse. Er entwickelt darüber hinaus verschiedene Erklärungen für das Unheimliche:
1.) Kastrationsangst
Freud deutet aus der Geschichte, dass das Unheimliche direkt an der Person des Sandmannes hafte, an der Vorstellung, der Augen beraubt zu werden. Er folgert, dass die Angst zu erblinden häufig ein Ersatz für die Kastrationsangst sei.
2.) Die Ich - Spaltung im Bild vom Doppelgänger
Das zweite sei das Motiv des Doppelgängers. Ursprünglich sei die Vorstellung des Doppelgängers eine Versicherung gegen den Untergang des Ichs gewesen. Freud führt dagegen seine Ich - Theorie ins Feld, den Gegensatz zwischen der kritischen Ich - Instanz und dem unbewusst Verdrängten. Er gibt als Beispiel das Dichterwort von den zwei Seelen in einer Brust. Der Doppelgänger (also der Verdrängte Anteil des Ichs) sei damit zum Schreckbild geworden, wie die Götter nach dem Sturz ihrer Religion zu Dämonen würden (nach Heine, die Götter im Exil).
3.) Wiederholungszwang
Unheimliches sei, was an den inneren infantilen Wiederholungszwang appelliere. Das Unheimliche sei die gleichartige Wiederkehr von Erlebnissen, Zahlen, Namen usw. in eigentlich unzusammenhängenden Ereignissen (z.B. wenn einem mehrmals am Tag die gleiche Zahl begegnet, ist man geneigt, dem eine Bedeutung zuzumessen)
4.) "Allmacht der Gedanken" (Animismus)
Dem eigenen Seelenleben wird eine Macht über die Realität zugeschrieben. Dabei wird auf infantile oder primitive Mechanismen des Animismus zurückgegriffen. Letztlich handelt es sich um einen regressiven psychischen Mechanismus, auf dessen Basis auch die Magie funktioniert. Spuren der animistischen Entwicklungsphase des Menschen (historisch und individuell) gäbe es in jedem Menschen. Das Anrühren an diese Phase des überzogenen Narzissmus würde als "unheimlich" empfunden. Freud führt als Beispiel den Ring des Polykrates an, dessen Träger alle Wünsche sofort erfüllt werden (sehr häufiges Märchenmotiv!), die Angst vorm "bösen Blick". Relikte fänden sich bei Zwangsneurotikern, denen just das widerfährt, woran sie gerade gedacht oder was sie gewünscht haben. Zwangsneurotiker verknüpften ihre Wünsche mit der Realität in einer Weise, in der die narzisstischen Bedürfnisse befriedigt würden (sie hätten "Ahnungen", die "meistens" eintreffen würden).
5.) Die Angst vor dem Verdrängtem
Jeder Affekt einer Gefühlsregung, gleichgültig welcher Art, würde durch die Verdrängung in Angst verwandelt. Es müsse also unter den Ängstlichen eine Gruppe geben, in der sich zeigen lasse, dass dies Ängstliche etwas wiederkehrendes Verdrängtes ist. Diese Art des Ängstlichen wäre eben das Unheimliche. Wenn dies wirklich die geheime Natur des Unheimlichen sei, so ist zu verstehen, dass der Sprachgebrauch das Heimliche in das Unheimliche übergehen lässt, denn dies Unheimliche sei wirklich nichts Fremdes oder Neues, sondern etwas dem Seelenleben seit alters her Vertrautes, das ihm nur durch den Prozess der Verdrängung entfremdet worden sei.
6.) Beziehung zum Tod: der Tote als Feind des Überlebenden
Unheimlich erscheine vielen Menschen, was mit Tod, Leichen, Wiederkehr der Toten, Geistern und Gespenstern zusammenhängt.
Der Satz: alle Menschen müssen sterben, paradiere zwar in den Lehrbüchern der Logik als Vorbild einer allgemeinen Behauptung, aber keinem Menschen leuchte er ein, und unser Unbewusstes hat jetzt so wenig Raum wie vormals für die Vorstellung der eigenen Sterblichkeit. Die Religionen bestreiten noch immer der unableugbaren Tatsache des individuellen Todes ihre Bedeutung und setzen die Existenz über das Lebensende hinaus fort. Da fast alle von uns in diesem Punkt so denken wie die Wilden, ist es auch nicht verwunderlich, dass die primitive Angst vor dem Toten bei uns noch so mächtig ist und bereitliegt sich zu äußern, sowie irgendetwas ihr entgegenkommt. Wahrscheinlich hat sie auch noch den alten Sinn, der Tote sei zum Feind des Überlebenden geworden und beabsichtige, ihn mit sich zu nehmen als Genossen seiner neuen Existenz. Da diese Vorstellungen offiziell verdrängt seien, komme auch hier das Unheimliche zum Zuge.
7.) Nähe zu Wahnsinn und Krankheit
Menschen sind uns unheimlich, wenn wir ihnen böse Absichten zutrauen, also besondere Kräfte vermuten, die uns schaden könnten. Das Unheimliche der Fallsucht, des Wahnsinns hat denselben Ursprung. Der Laie sieht hier Äußerungen von Kräften vor sich, die er im Nebenmenschen nicht vermutet hat, deren Regungen er aber in entlegenen Winkeln seiner eigenen Persönlichkeit dunkel zu spüren vermag.
8.) Wunsch im Mutterleib zu leben
In der Angst vor dem Scheintod sitzt die Angst, lebendig begraben zu werden, für viele Menschen die Krone der Unheimlichkeit. Diese Phantasie ist tatsächlich die Umwandlung des Wunsches vom Leben im Mutterleib. Ebenso oft kommt vor, dass neurotische Männer erklären, das weibliche Genitale sei ihnen etwas Unheimliches. Dieses Unheimliche ist der Eingang zur Örtlichkeit, in der jeder einmal und zuerst geweilt hat. Das Unheimliche ist also auch in diesem Falle das ehemals Heimische, Altvertraute. Die Vorsilbe "Un" an diesem Worte ist aber die Marke der Verdrängung.
Literatur und das Unheimliche
In der Dichtung ist vieles nicht unheimlich, was unheimlich wäre, wenn es sich im Leben ereignete. In der Dichtung bestehen viele Möglichkeiten, unheimliche Wirkungen zu erzielen, die fürs Leben wegfallen. Zu den Freiheiten des Dichters gehört auch die, seine Darstellungswelt nach Belieben so zu wählen, dass sie mit der uns vertrauten Realität zusammenfällt oder sich von ihr entfernt.
Zusammenfassung
Es erscheint oft unheimlich, wenn die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit verwischt wird, wenn etwas real vor uns tritt, was wir bisher für phantastisch gehalten haben, wenn ein Symbol die volle Leistung und Bedeutung des Symbolisierten übernimmt und dergleichen mehr (hier hinein fällt das Phänomen Stigmatisierung). Hierauf beruht auch ein gutes Stück der Unheimlichkeit , die den magischen Praktiken anhaftet. Das Infantile daran, was auch das Seelenleben der Neurotiker beherrscht, ist die Überbetonung der psychischen Realität im Vergleich zur materiellen, ein Zug, welcher sich der Allmacht der Gedanken anschließt.
Das Unheimliche des Erlebens kommt zustande, wenn verdrängte infantile Komplexe durch einen Eindruck wieder belebt werden oder wenn überwundene primitive Überzeugungen wieder bestätigt scheinen.
Die literarische Verarbeitung des Unheimlichen hat nicht die Voraussetzungen oder die Qualität des erlebten Unheimlichen. Das Unheimliche hervorzurufen gelingt dem Autor nur, wenn er seinen Leser über die Bedingungen seiner poetischen Komposition im unklaren lässt.
Schauergeschichten heute
Die Form der mündlich überlieferten Schauergeschichte hat sich bis heute als Teil der "oralen Kultur" erhalten. 1990 wurde eine Sammlung moderner Sagen unter dem Titel "Die Spinne in der Yucca - Palme: Sagenhafte Geschichten von heute" veröffentlicht. Das kleine Taschenbuch wurde sofort ein Bestseller (370.000 Auflage!). In dem kleinen Band finden sich Volksmythen, die jeder kennt und sie nicht unbedingt als solche erkannt hätte. Ein bekanntes Beispiel ist die "gefährliche" Coca - Cola, in der sich über Nacht ein Stück Fleisch oder sogar eine komplette Ratte auflösen sollen. Diesen Mythos konnten die Volkstumsforscher bis 1968 zurückverfolgen. Die Geschichte stammt aus dem Ursprungsland der Limonade, in Europa existieren mehrere Varianten. Amerikanische Folkloristen haben für diese Geschichten inzwischen die Bezeichnung "Cokelore" eingeführt. Daneben gibt es sozusagen ewige Mythen, die je nach Umständen abgewandelt auftauchen. Manche prototypischen Sagen lassen sich über Jahrhunderte zurückverfolgen. Das Motiv der Beule, aus der eines Tages Ungeziefer bricht, kannte bereits Jeremias Gotthelf, "Die schwarze Spinne", 1842. Ein wirklich moderner Mythos ist der kopflose Motorradfahrer, der beim Einbiegen auf die Autobahn die herausragende Ladung eines LKWs übersieht. Die Metallplatten trennen den Kopf des Motorradfahrers ab, der dann "kopflos" den Wagen überholt und den Fahrer derart erschreckt, dass dieser in den Graben fährt. Diese Sage lässt sich sicherlich auch auf einen Reiter übertragen und es wäre kein Wunder, wenn sich eine ähnliche Geschichte in der Romantik finden würde. Eine ganze Reihe solcher Geschichten, lässt sich tatsächlich bis an den Anfang des 19. Jahrhunderts und weiter zurück verfolgen, nur dass sich die Requisiten etwas geändert haben.
Der Kern dieser Erzählungen dürfte in den meisten Fällen das Unerhörte, Außergewöhnliche und Rätselhafte sein. Die Ereignisse, Erlebnisse und Erscheinungen werden mit dem Anspruch der Glaubhaftigkeit berichtet. Auf der Suche nach Erklärungen schöpfen die Erzähler aus den Quellen des Volksglaubens und des Mythos. Das den Menschen Unheimliche, das Unerklärliche und Angsterregende wird durch das genaue Betrachten gemildert oder gebannt. Ähnlich dürften moderne Horrorfilme funktionieren, die in den letzten zwanzig Jahren eine eigenartige Konjunktur erleben.
Der Wunderglaube, auch der kirchliche dürfte sich aus gleichen Quellen speisen. Bewiesen ist mit den volkskundlichen Studien Brednichs die anhaltende Bereitschaft, solche Wunder- und Schauergeschichten zu glauben. Die genaueren Bedingungen solchen Verhaltens können unter dem Begriff "Angstlust" nachgeschlagen werden. Übertragbar ist diese Angstlust ohne weiteres auf die Geschichte der Emmerick, die nach ähnlichen Gesetzen funktioniert, wie eben die Wunder- und Schauergeschichte. Aus diesem Grunde wird das Wunder in der katholischen Kirche nach wie vor goutiert, das Unheimliche und das Heimliche, die Gefahr und deren wundersame Abwendung können unter dem Schutz der Religion erinnert und gebannt werden. Die Kirche selbst bietet ihre Religion dann als Erklärung der wundersamen Rettung an.“

Freitag, Juli 30

wesen

In der Psychoanalyse wird der Gottglaube als eine Form des Wunschdenkens betrachtet. Für Sigmund Freud war Gott die Projektion einer perfekten, schützenden Vaterfigur, die das Gefühl einer idealisierten Kindheit vermitteln soll. Andere Psychoanalytiker sahen Gott nicht als tröstlichen Traum, sondern als Projektion des neurotischen Selbsthasses. Ludwig Feuerbach, der ebenfalls religionskritische Thesen vertrat, sah im Gottglauben den „Spiegel des Menschen“, der Rückschlüsse auf das menschliche Wesen erlaube.
Die kognitive Religionswissenschaft geht davon aus, dass Menschen aufgrund ihrer Veranlagung dazu tendieren, Vorstellungen von übernatürlichen Akteuren zu verfestigen. Die Standardtheorie begründet dies im Wesentlichen durch zwei mentale Module bei Menschen, dem Theory of Mind Mechanism (ToMM) und der Agency Detection Device (ADD). Durch das ToMM sind Menschen in der Lage, bei anderen Akteuren Gefühle und Absichten zu vermuten. Die ADD ermöglicht es, aufgrund sensorischer Reize schnell die Anwesenheit von Akteuren in der Umgebung wahrzunehmen. Sie diente beim Frühmenschen dazu, Prädatoren rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden, wird aber auch heute noch aktiv, sodass selbst hinter natürlichen Ereignissen oftmals ein Akteur vermutet wird. Dieses Erklärungsmodell bezieht sich nicht nur auf Götter, sondern auf alle übernatürlichen Akteure.
Ein verwandter Forschungsgegenstand ist die Frage, welche kognitiven Fähigkeiten in Bezug auf den Gottglauben angeboren sind. Die Anthropomorphismus-Hypothese geht davon aus, dass Kinder einen Gott anfänglich als „großen Supermenschen im Himmel“ betrachten, und erst später die Vorstellung eines transzendenten, körperlosen Wesens entwickeln. Dem gegenüber besagt die Preparedness-Hypothese, dass Kinder derartige metaphysische Eigenschaften problemlos akzeptieren, da sie von Beginn an kognitiv in der Lage sind, sich allgemeine übernatürliche Akteure vorzustellen.

wesenheit

Weltlehrer ist nach theosophischer Lehre die Bezeichnung für eine hohe geistige Wesenheit (einen Avatar), welche Religionen gründet und die Menschheit leitet.
Annie Besant, die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft Adyar, vertrat die Ansicht, Jesus Christus werde nach rund 2.000 Jahren abgelöst von einem „neuen Weltlehrer“ – dem „Lord Maitreya“, wie sie ihn auch nannte –, dessen menschliches „Vehikel“ sie im von Charles Webster Leadbeater 1909 entdeckten Jiddu Krishnamurti sah. Sie gründete den Order of the Star in the East, um diesem kommenden geistigen Impulsgeber des Wassermannzeitalters den Weg zu ebnen und setzte 1911 Krishnamurti als Präsident des Ordens ein. Dieser löste 1929 den Orden auf und wirkte bis zu seinem Tod 1986 als unabhängiger Vortragsredner in Europa und den USA.
Seit 1974 propagiert Benjamin Creme die Ankunft des „neuen Weltlehrers“ Maitreya.
Ein weiterer „Weltlehrer“ wurde 1934 vom berühmten amerikanischen Hellseher Edgar Cayce in einem seiner Readings vorhergesagt. Dieses Reading besagt, dass ein "John Peniel" (58'-98') kommen würde und der Welt die neue ORDNUNG der Dinge gebend ist. Nachfolgend ein kurzer Auszug aus einer Übersetzung ins Deutsche davon.
"Wer wird das willkommene Jahr des Herrn proklamieren in ihm der in der Erde Amerikas geboren wurde? Jene von diesem Land, wo es die Erneuerung gegeben hat, nicht nur von dem Körper sondern dem Verstand und vom Geist der Menschen, SIE werden kommen und proklamieren dass John Peniel der Welt die neue ORDNUNG der Dinge gebend ist."
Tatsächlich wurde 1998 ein Buch von einem initiierten spirituellen Lehrer (der in seiner Jugend eine dreijährige Ausbildung in einem besonderen Kloster in Tibet machte) veröffentlicht, von dem viele [die es gelesen haben] behaupten, dass es die Erfüllung "dieser Prophezeiung" sei. Der Titel dieses Buches ist: "The Children of the Law of One & the Lost Teachings of Atlantis" von Jon Peniel.
Der Begriff Weltlehrer ist sehr weit dehnbar. Hier muss man unterscheiden zwischen einem „Lehrer“ und einem „Prediger“. Ein Lehrer predigt nicht nur. Ähnlich wie der Unterschied in den Worten teacher {Lehrer} und preacher {Prediger} – das „t“ in teacher – „touches“ {‘berührt’}, während das „p“ in Prediger – „proposes and pushes“ {‘anregt und anschiebt’}. Während die Worte eines Adept-Lehrers einen erleuchtenden Effekt haben können, wird unterrichtet durch „Effekt“ und Beispiel, nicht nur durch Worte. Ein Adept-Lehrer oder Initiierter, ist eine Person, die ihre eigene Selbstsucht und Selbstzentriertheit überschritten, und universales Bewusstsein erreicht hat. Viele verschiedene spirituelle Traditionen haben ihren eigenen Namen für das Erreichen von dem. Einige nennen es „Satori“ erreichend, einige „Nirwana“, einige „Illumination“ und einige bezeichnen es als „Erleuchtung“ oder „Initiation“. Beispiele für „solche Weltlehrer“ sind u.a. Mose, Buddha, Zarathustra, Jesus von Nazaret. Meistens entstanden die Religionen erst nach dem Tod eines solchen „Weltlehrers“. Aus dessen „Lehren“ entstanden dann wiederum die unterschiedlichen Religionen, und mit der Zeit entsprangen unterschiedliche Verzweigungen daraus, wie z.B. beim Christentum die verschiedenen christlichen Konfessionen. [Die „ursprünglichen Lehren“ wurden oftmals im Laufe der Zeit „von den Mächtigen“ entsprechend „modifiziert“]. Interessant ist auch, dass aus den Readings von Cayce hervorgeht (im Gegensatz zur vorherrschenden Meinungen), dass Jesus, Buddha, Zarathustra ein-und-dieselbe „geistige Wesenheit“ gewesen sein soll. [wiedergeboren in unterschiedlichen Körpern].

Mittwoch, Juli 28

namaste

Ein Herz das in Liebe zu deinem Herzen hält, erlöscht die Dunkelheit der Welt.
Wenn einer sich gefunden hat, wenn er sich mit der Quelle verbunden hat, dann hat er sich realisiert.
Jedoch auch dieser Mensch ist dann immer noch aus derselben Energie wie all die Anderen.
Nur seine Frequenz ist eine andere, weil sich in diesem Menschen nun Gott selbst ausdrücken kann ohne Blockaden, ohne den Verstand.
Das ist ein egoloser Zustand, ohne Konflikt, ohne Spaltung zwischen Unbewussten und Bewusstsein.
Ohne Kampf ums Rechthaben.
Da gibt es nun keinen mehr, der kämpfen würde. Es gibt dort nur tiefe Akzeptanz von was auch immer gerade ist.

stille

Die Stille (von althochdeutsch stilli: ohne Bewegung, ohne Geräusch) bezeichnet in der deutschen Sprache die empfundene Lautlosigkeit, Abwesenheit jeglichen Geräusches, aber auch Bewegungslosigkeit. Ihre umgangssprachliche Steigerung ist die Totenstille. Gegenbegriffe sind Geräusch, Lärm und ähnliches. Stille ist bedeutungsverwandt, aber zu unterscheiden vom Schweigen. Vom Wort „Stille“ ist das Verb „stillen“ abgeleitet, da der Säugling beim Trinken ruhig wird.
Wirkung der Stille auf den Menschen ~ Völlige Stille ohne jede Reflexion, wie sie etwa in einer Camera silens herrscht, wird vor allem wegen der damit fehlenden akustischen Orientierung im Raum als unangenehm und beängstigend empfunden, länger anhaltend führt sie zu einer sensorischen Deprivation, wobei es aus Mangel an Außenreizen zu Halluzinationen und zu Denkstörungen kommen kann.
Stille im Sinne von ruhiger Umgebung kann wegen der Abwesenheit von störenden Geräuschen beruhigend wirken, die Konzentration auf eine Tätigkeit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden steigern.
Der Mensch ist Geräuschen ausgeliefert, er agiert in seiner Geräuschkulisse. Der Hörsinn ist für den Menschen nicht bewusst beeinflussbar oder abschaltbar; allerdings kann er Routinelärm (als Müller das Klappern seiner Mühle, als Anwohner vorbeifahrende Züge) habituell überhören. Doch ist Stille eine Rahmenbedingung für vielerlei Tätigkeiten oder Bewusstseinszustände:
Tätigkeiten, die vorwiegend auf den Hörsinn aufbauen, benötigen häufig Stille, obwohl sie selbst die Stille stören: Musizieren, Telefonieren etc.
Stille ist auch eine Voraussetzung für die Konzentration des menschlichen Gehirns bei intensiven Denkprozessen. Pädagogen gehen davon aus, dass die Stille dem Lernprozess förderlicher als ablenkende Geräusche ist.
Ebenso wird in Bibliotheken Stille geboten, um die Konzentration auf das Lesen nicht zu stören.
Stille ist eine Rahmenbedingung für Entspannungszustände (z. B. autogenes Training). Geräuschkulissen stören die Entspannung, Besinnung und Beschaulichkeit (Kontemplation). Stille spielt deshalb eine wichtige Rolle in Religion und Meditation.
Stille kann die Vorahnung auf ein nahendes (negatives) Ereignis („die Ruhe vor dem Sturm“) symbolisieren oder die Auseinandersetzung mit der Möglichkeit des eigenen Todes. Die bewusst eingesetzte Stille in Bühnenstücken, Spielfilmen oder als rhetorisches Element beim Vortrag von Reden oder Gedichten dient der dramaturgischen Erhöhung der Spannung.
Das Marketing sagt der Stille eine konsumhemmende Wirkung nach. Um den Konsum zu motivieren, wird deshalb in Verkaufslokalen die Stille mit Hintergrundmusik (Muzak) überdeckt.
Bedeutung der Stille in der Religion ~ In vielen Religionen, beispielsweise im Buddhismus und im Daoismus, wird der Stille eine große Bedeutung beigemessen, vor allem, wenn sich der Priester oder die Gläubigen konzentrieren müssen, etwa beim stillen Gebet und der Meditation.
In der Liturgie der katholischen Kirche spielt die Stille nach der Liturgiereform infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils als eigenes Element eine Rolle, etwa vor dem Schuldbekenntnis, nach den Lesungen und der Predigt, bei der Gabenbereitung und nach der Kommunion. In den Großen Fürbitten beten die Gläubigen für die Ruhe im eigenen Leben.
Im Pietismus des 18. Jahrhunderts wurde die Stille als ein mystisches Element der Frömmigkeit entdeckt. In Anknüpfung an Luthers Übersetzung „Vnd suchen falsche Sachen widder die stillen jm Lande“ (Psalm 35,20) zog man sich bewusst und durchaus vernehmlich artikuliert aus der herrschenden Gegenwartskultur „in den stillen Winkel“ zurück. Die als Stille im Lande bekannten Pietisten fanden ihre Basis in der 1780 gegründeten Christentumsgesellschaft. Die heute geläufigen Begriffe Andachtsstille oder Gebetsstille stammen aus dieser Bewegung.
In der Communauté de Taizé hat jede Gebetszeit eine lange Stillephase von fünf bis zehn Minuten.
Anachoreten machten sich die Wirkung von Stille zunutze, um sich auf große spirituelle Zusammenhänge konzentrieren zu können.
In Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra wird die Stille mehrfach zum Thema: Die größten Ereignisse - das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden (Von großen Ereignissen); und: Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt. (Die stillste Stunde). Stillleben mit verschiedenen Vasen (Francisco de Zurbarán 1636, Öl auf Leinwand) In der Bildenden Kunst ist ein Stillleben das Abbild eines leblosen und bewegungslosen Arrangements von Gegenständen. Vor allem in der Neuen Musik hat die Beschäftigung mit der Definition von Musik auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik der Stille geführt. Das mit Abstand bekannteste Beispiel ist John Cages Klavierstück 4′33″. Es setzt sich aus drei Sätzen zusammen, die nur aus Pausen bestehen, welche insgesamt die Länge von vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden haben. Der Gedanke einer „Musik der Stille“ – hier wieder im übertragenen Sinne – hat auch andere Komponisten angeregt, wie etwa Frederic Mompou.
Marcel Marceau hat die Pantomime als die „Kunst der Stille“ charakterisiert.

Dienstag, Juli 27

blütenregen

Blütenregen

Subhuti war Schüler des Buddha. Er war fähig, die Macht der Leere zu verstehen, jene Einstellung, daß nichts existiere außerhalb seiner Beziehung von Subjektivität und Objektivität. Eines Tages saß Subhuti in einem Zustand tiefster Leere unter einem Baum. Blüten begannen auf ihn herabzufallen. "Wir preisen dich für deine Abhandlungen über die Leere", flüsterten die Götter ihm zu. "Aber ich habe nicht über die Leere gesprochen", sagte Subhuti. "Du hast nicht über die Leere gesprochen, wir haben die Leere nicht gehört", erwiderten die Götter. "Dies ist die wahre Leere."
Und Blütendolden rieselten um Subhuti nieder wie Regen