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Sonntag, Januar 2

G. Ott

Gebet

Gott, setze dem Überfluss Grenzen
und lass die Grenzen überflüssig werden.
Lass die Leute kein falsches Geld machen
und auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Männer an ihr erstes.
Schenk unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden gute Menschen
und den Menschen eine gute Regierung.
Gott, sorg dafür, dass wir alle
in den Himmel kommen
- aber nicht sofort.

Neujahrsgebet des Pfarrers von St. Lamberti zu Münster, H. Kappen, aus dem Jahr 1883

Freitag, Dezember 31

Müller's Wiese



ImageDie Mühle ist ein wichtiger Teil am Initiationsweg des Kornes bis zum gebackenen Brot. Das Korn hat bereits den Initiationsweg des Todes in der Ackerfurche bis zur Wiedergeburt in der hundertfachen Frucht der Ähre hinter sich. Über das Mehl, das durch das „Leid“ des Zermahlens gegangen ist, erwartet nun den Gärungsprozeß im Brotteig, um dann bei hoher Hitze zu dem Lebensmittel par excellence zu werden: Zum Brot des Lebens! Dieses Mysterium der vielfachen Initiation - vom Sterben zum neuen Dasein entspricht auch unseren menschlichem Mysterium des Stirb-und-Werde-Prozesses. Bei solch einem Geschehen in der Mühle, kann Müller und Müllerin als „PriesterIn“ angesehen werden, der diese Initiation vollzieht, wie der/die PriesterIn am Altar der Kirche. Und auch der Mühlstein wird dadurch zum Symbol der Verwandlung von Leben zu Tode und wieder zum Leben. Die Bewegung des Mühlsteines steht im Nachvollzug des Sonnenlaufes (siehe auch die norwegische Mythologie). Damit wird das Mahlen des Kornes, die Frucht derSonne und der Erde, zum kosmischen Prozess. Dieses Symbol des kosmischen Geschehens spendet damit Energie und Information dem Initiationsprodukt Mehl.
ImageReligionsgeschichtlich und geomantisch kann die Achse des Mahlwerkes als achsis mundi, die mythologische Mitte der Weltenachse, betrachtet werden. In dieser Mitte sind die drei Welten Oberwelt - Welt - Unterwelt miteinander verbunden und man kann kultisch in diese drei Bereiche gelangen. Damit konnte man in Beziehung zum Kosmisch Göttlichen treten. Alle Heiligtümer und Kirchen liegen an solchen Plätzen. Mythologisch ist hier die Welt entstanden. Und wieder haben wir die Verbindung zwischen Himmel + Erde und damit kann Fruchtbarkeit und Kreativität entstehen. Dieser Gedanke wird dadurch noch bestärkt, da hier ein kosmischer Einstrahlpunkt diese energetischen Verbindungen von Kosmos und Erde herstellt. So ist der Müller, die Müllerin, wie bereits oben erwähnt, wie ein Priester, der an dieser Weltenachse „himmlisches Mehl“ mahlt. Aus diesem Blickwinkel könnten wir einmal ganz anders unser Mehl entdecken. Durch das Bohren des Loches in den Mühlenstein und später durch das Drehen des Zapfens im Loch des Mühlsteines ist das Mahlen ein Symbol für den Geschlechtsakt. Daher ist das Bohrmehl für Fruchtbarkeit und Potenz von Tier und Mensch in der Bauernmedizin verwendet worden. Die alten Kirchenväter beschreiben ein allegorisches Bild der Mühle. Der untere Mühlstein ist das Alte Testament und der obere Mühlstein, der dem Neuen Testament entspricht, wird vom Heiligen Geiste angetrieben. Dies wird in der wunderschönen Relief des Kapitells der Wallfahrtskirche St. Madeleine im burgundischen Vezelay (1130) dargestellt. Moses schüttet das Korn seiner Weisheit in den Trichter der Mühle und Paulus, der Vertreter des Neuen Testamentes, fängt in einem Sack das Mehl auf, aus dem das Lebensbrot für die Christen gebacken wird. Der mystischen Mühle genau entgegengesetzt ist der Sinngehalt der „Teufelsmühlen“. Stets hatte der Müller auch die Folgen für das, als heilig und lebendig angesehene Wasser, das „auf das Rad geflochten wurde“, zu befürchten. In der Antike beschwichtigte man die Wassergeister mit verschiedenen Opfern und im Mittelalter fürchtete man, dass der Teufel im Bunde des Müllers ist, der aus dem (scheinbar) wenigen Korn, soviel Mehl erzeugte.

Geomantie von Mühlen
Wie bereits allgemein bei der Geomantie erwähnt, ist die Besonderheit des Alten
Wissens ist der ganzheitliche Zusammenhang zwischen 
funktionell, praktisch und langlebig schön, ästhetisch und harmonisch undreligiös, spirituell und geistig

Der Standort: 

Der Standort der Mühle wurde so gewählt, dass ein dort vorhandener kosmischer Einstrahlpunkt genau auf dem Mühlenstein strahlt. Man hat sozusagen die Mühle um den Mühlstein gebaut. Zugleich wurde darauf geachtet, dass die Wasserführung des Baches für einen ganzjährigen Betrieb optimal geeignet ist. Das Gebäude: Wie bereits bei der allgemeinen Geomantie erwähnt, liegen die Außenkanten des Gebäudes auf Gitternetzzonen. Außer dem Gebäudeschutz wurde damit auch die Energie im Inneren des Hauses erhöht. Die durchschnittliche Energie im Gebäude beträgt zwischen 15.000 und 25.000 Bovis-Einheiten, die einen stärkenden Einfluss auf die Menschen hat. Aber für Insekten und Bakterien ist so eine hohe Energie nicht lebensfreundlich. Daher sind in den alten Mühlen keine Motten oder Mehl- und Holzwürmer zu finden. Außerdem erhöhen die hohen Energien die Haltbarkeit des Mehls um das 15fache gegenüber dem normalen heutigen Mehl.

Der Mühlstein: 

Wie bereits oben erwähnt, ist im Achsen-Mittelpunkt der Kosmische Einstrahlpunkt. Darüber hinaus lag er meistens auf der Erdstrahlenkreuzung des Global- und des Diagonalgitternetzes, das die Energie nochmals erhöht. Die Energie-Intensität kann bis zu 30.000 Bovis-Einheiten erreichen, die  meistens nur bei starken Wallfahrtskirchen zu finden ist. Diese Energie erleichtert den „Initiationsprozess des Kornes“. Symbole und Schutzpatrone: Es sind dies meist Sonnenlaufsymbole, wie Spirale, Kreuz, Lebensbaum, Raute usw. auf Haustore, Fenster und Deckenbalken. Sie bewirken Hilfe, Schutz und Stärkung für Mensch und Haus. Der Schutzheilige der Müller war vor allem der hl. Nikolaus, den wir in der Mühle oder außen in einer Mauernische finden können. Er schützt den Müller vor zuviel Wasser oder vor Sturzfluten, aber auch bei zu niedriger Wasserführung. Der Heilige, der nur in den Legenden zu finden ist, kann als mythologische Nachfolger des Wassergeistes, dem Nix oder Nick gesehen werden. So dürfte aus diesem Naturwesen ein Heiliger geworden sein. Auch finden wir des öfteren den hl. Florian, der vor allem vor der Entstehung von Bränden schützt und ebenfalls für optimalen Wasserstand zuständig ist. Weitere Schutzpatrone waren die Kirchenväter Hieronimus, Ambrosius, Gregorius und Augustinus. Folgende Heilige haben einen Mühlstein als Attribut: Christina, Florian, Kallistus, Quirinus, Viktor von Marseille und Vincentius sowie Crispinus. Weitere Schutzheilige sind die hl. Anna und die hl. Katharina von Alexandria. Sie sind religionsgeschichtlich die Nachfolgerinnen der Weiblichen Dreifaltigkeit, Jungfraugöttin, Muttergöttin und Weise Alte. 
Wir finden sie auch als Schutzsymbole auf den Türen 20 + CMB + 07, nämlich als Catharina, Margarete und Barbara. Auch sie helfen den Müllersleuten. Das Haus der Müllersleute liegt ebenfalls in der Zwischenhimmelsrichtung und damit stehen die Außenkanten des Gebäudes auf einem negativen Diagonalgitter zum Schutz. Die durchschnittliche Energie im Gebäude ist immer relativ hoch, damit in diesem Haus Gesundheit und Freude herrschen. Meistens fördert die Qualität dieser Energie die spirituelle Schau und Weisheit sowie die Herzensqualitäten. Manchmal läuft durch Eingang und Flur eine positive rechtsdrehende Wasserader, die einen energetisch reinigenden Einfluss auf die eintretenden Menschen hat. Diese Wasserader kann beispielsweise auch ein harmonisches Klima im Haus bewirken. Der Kamin des Backofens steht auf einer Globalgitternetzkreuzung mit einer hohen Energie-Intensität. Dies bewirkt eine optimale Verbrennung und guten Zug auch bei Tiefdruckwetter. Das hier gebackene Brot nimmt diese Energien auf und stärkt ganz besonders die Menschen, die es essen. Ähnliches gilt für die Backhäuser, die in der Nähe des Müllerhauses stehen.



Donnerstag, Dezember 23

soleil

Da ab 21./22. Dezember die Tage wieder länger werden, war die sonnenwende in vielen antiken und frühmittelalterlichen Kulturen ein wichtiges Fest, das allerdings oft auch ein paar Tage vor bzw. nach dem Datum der tatsächlichen Sonnenwende gefeiert wurde. Schon steinzeitliche Kultstätten wie Stonehenge oder Ales Stenar erfassten diesen Zeitpunkt, allerdings mittels der leichter feststellbaren Auf- und Untergangspunkte der Sonne, die zu Winterbeginn etwa im Südosten bzw. Südwesten liegen. Die Germanen feierten um die Wintersonnenwende das Julfest, welches heutzutage von neuheidnischen Gruppen wieder begangen wird. Bei den Römern war der 25. Dezember einer der höchsten Feiertage zu Ehren des Gottes der unbesiegten Sonne Sol invictus. Auch das Weihnachtsfest liegt zeitlich kurz nach der Wintersonnenwende, was die Ankunft des göttlichen Lichts (Christi Geburt) symbolisiert.

Spirituelle Bedeutung der Wintersonnenwende/Weihnachtssymbolik
Die Zeit um die Wintersonnenwende galt zu allen Zeiten in den meisten Kulturen, am meisten natürlich in den nördlichen Regionen, als besonders heilige Zeit:
- Bei den Römern fanden vom 17.-22.12. die Saturnalien statt. Es ist - der Jahreszeit entsprechend - ein Opferfest des Heroskönigs, der in die Unterwelt gesandt wurde, um dort mit seinem göttlichen Ebenbild eins zu werden. Dies steht für das tiefe Eintauchen mittels der Meditation in unseren Geist, um jenseits aller unterbewussten Eindrücke unser wahres göttliches Selbst zu erkennen und mit diesem Göttlichen Kern zu verschmelzen
- Bei den Juden wird das Hanukkah-Fest gefeiert. Dieses zelebriert den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem durch die Makkabäer. Dabei geschah ein Wunder, nämlich dass eine kleine Menge Öl 8 Tage lang Licht gab. So müssen wir im Inneren unseren Tempel des Herzens wieder aufrichten. Wenn wir uns darum bemühen, aus unserem Herzen einen Tempel zu machen, wird Gott unser Herz mit Licht füllen
- In Indien findet Dipavali, das Lichterfest, statt. Dieses feiert die Rückkehr von Gott Rama in die Hauptstadt Ayodhya nach 12 Jahren Exil. 12 Jahre lang hatten die Bewohner von Ayodhya auf Feuer und Licht verzichtet. Als Rama wieder zurückkehrte, wurden überall Freudenfeuer entzündet. So kann es sein, dass wir Gott, die Liebe, aus unserem Leben verbannt haben. Und auch wenn wir materiell vieles haben, fehlt das Entscheidende im Leben. Wenn so Gott, das göttliche Licht, die Liebe oder wie auch immer wir es ausdrücken wollen, in unser Herz einzieht, können wir wirkliche Freude empfinden.
- Weihnachten ist in Europa sicherlich als christliches Fest am bekanntesten und feiert die Geburt von Jesus Christus, des Gottessohnes als Erlöser der Menschheit. Weihnachten gilt als eines der 3 Hauptfeste des Christentums (Weihnachten, Ostern, Pfingsten). Über diese Bedeutung kannst man in Gottesdiensten, in christlicher Literatur und von anderen Christen am meisten erfahren und erleben. Zusätzlich zur historischen, und für gläubige Christen religiösen Dimension kann man Weihnachten auch als Sinnbild des spirituellen Weges, der Geburt des Christusbewusstseins in uns interpretieren:
In der Adventszeit werden vier Kerzen nacheinander angezündet. Dies steht für die schrittweise Öffnung der ersten 4 Chakras, Bewusstseinszentren. Das vierte Chakra ist das Herz-Chakra, der Sitz der Liebe, der Schau Gottes und der Freude. Wenn dieses Herz-Chakra, geöffnet ist, kann das Jesus-Kind, also die Liebe Gottes, das Christus-Bewusstsein, in uns geboren werden. Und zwar wenn die Tage am kürzesten sind inmitten der Nacht ("Weihe-Nacht"). Wenn unser Geist sich zurückzieht von den äußeren Ablenkungen, alles (unsere Sinne und Gedanken) schläft, dann kann das "Hochheilige Paar" Unterscheidungskraft (Joseph) und Intuition (Maria) wachen, und die Geburt des Gottesbewusstseins (Jesuskind) erleben. So wünsche ich Dir, dass Du in dieser "geweihten Nacht", in dieser "Stillen Nacht", tatsächlich still sein kannst, und die innere Bedeutung von Weihnachten erfährst. Die Mitternachtsmeditation, für viele die Christmette, für manche sogar eine vollständige Nachtwache, kann in dieser Nacht zu einem besonderen Erlebnis werden, nicht nur für überzeugte Christen. Das Herzchakra, das mit Weihnachten so viel zu tun hat, steht für Liebe und Freude. So wünsche ich Dir, dass Du tatsächlich im Kreis Deiner Lieben Dein Herz sprechen lassen kannst, dass die Geschenke wirklich Liebe ausdrücken und die vielen Weihnachtslichter und -lieder tatsächlich Herzensfreude.
Bei manchen, die im Kreis von Familie und Freunden feiern, wird mehr der Liebes-Aspekt von Weihnachten überwiegen. Die, die allein sind möchte ich ermutigen, zu meditieren, nach innen zu gehen, allein Nachtwache zu halten, um die Geburt Gottes im Inneren zu spüren. So kann sogar Melancholie als geistige "Nacht" für den spirituellen Weg hilfreich sein.

Zur Wintersonnenwende:
„Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir kraftvoll über alle Maßen sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, was uns am meisten erschreckt. Wir fragen uns: Wer bin ich, um brillant, großartig, talentiert und sagenhaft zu sein? Aber wer bist Du eigentlich, um all das nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Dein zögerliches Spiel dient der Welt nicht. Es wird nichts erreicht dadurch, dass Du Dich kleiner machst, so dass sich deinetwegen andere nicht verunsichert fühlen.
Wir sind geboren, um den Glanz Gottes, der in uns ist, offenkundig zu machen.“

Dienstag, Dezember 21

émotion d' or

schwan


Als Schwanengesang bezeichnet man das letzte Werk eines Musikers oder eines Dichters. Auch die letzte Rede eines Politikers wird oft in einem weiteren Sinne des Wortes als Schwanengesang bezeichnet. Der letzte Werkzyklus von Heinrich Schütz aus seinem Sterbejahr 1672 heißt Schwanengesang, ein typisches Alterswerk. Berühmt ist der letzte Liederzyklus von Franz Schubert, der nach dessen Tod von seinem Verleger unter dem Titel Schwanengesang zusammengestellt wurde. Der Ausdruck geht auf einen alten griechischen Mythos zurück, der besagt, dass Schwäne vor ihrem Tode noch einmal mit trauriger, jedoch wunderschöner Stimme ein letztes Lied anstimmen. In einer Fassung dieses Mythos wanderte Kyknos in einem Pappelhain am Ufer des Flusses Eridanus, den Tod seines treuesten Freundes Phaëton betrauernd. Da hatten die Götter Mitleid mit ihm und verwandelten ihn in einen Schwan aus leuchtenden Sternen. Bevor Kyknos aus Trauer über den geliebten Freund starb, sang er auf jene von keinem anderen Gesang an trauriger Schönheit übertroffene Weise. In Phaidon erklärt Sokrates den Gesang der Schwäne mit deren Vorkenntnis des Guten in der Unterwelt.


Ballade der Gruppe Karat

Es neigte ein Schwanenkönig seinen Hals auf das Wasser hinab. Sein Gefieder war weiß wie am ersten Tag, rein wie Sirenenton, und im Glitzern der Morgensonne sieht er in den Spiegel der Wellen hinab, und mit brechenden Augen weiß er: Das wird sein Abschied sein.

Wenn ein Schwan singt,
schweigen die Tiere,
wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere und sie raunen sich leise zu, raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig
der in Liebe stirbt.

Und es begann der Schwanenkönig zu singen sein erstes Lied, unter der Trauerweide, wo er sein Leben geliebt. Und er singt in den schönsten Tönen, die man je auf Erden gehört, von der Schönheit dieser Erde, die ihn unsterblich betört.

Wenn ein Schwan singt,
schweigen die Tiere,
wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere und sie raunen sich leise zu, raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig
der in Liebe stirbt.

Und es singt der Schwanenkönig seinen ganzen letzten Tag, bis sich die Abendsonne still ins Dunkelrot flieht. Lautlos die Trauerweide senkt ihre Blätter wie Lanzen hinab, leiser und leiser die Töne, bis das letzte Licht im Gesang verglüht.

Wenn ein Schwan singt,
lauschen die Tiere,
wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere und sie neigen sich tief hinab
raunen sich leise zu:
Es ist ein Schwanenkönig
der in Liebe stirbt.


coopers







M8







1838

Montag, Dezember 20

sonne

Meine Freude ist die Freude der Sonne
Kurz nur, aber ein ewiges Werk hinterlassend
In den Kinderpupillen
Entfacht sich ein goldenes Flämmchen
In den gesetzten Keimlingen
Klingt ein zartgrünes Lied
Ich bin einfach und doch reich
Daher bin ich tief
Tief in jedes Herz
Weit in jede Zeit
Mein ganzes Empfinden
Ist ein Geschenk der Erde.

Shu Ting 1952

wuwei

Hier draußen leben nur wenige alte Bauern,
Im Grenzland hat man ringsum kaum Nachbarschaft.
Um den Dorfaltar eine Schar von Bauersfrauen,
Mit Flöten und Trommeln ein Fest zu Ehren der Erdgötter.
Mit Opferwein übergießen sie streunende Hunde.
Sie brennen Räucherwerk und huldigen Holzstatuen.
Eine Schamanin tanzt entrückt um den Altar.
Ihre seidenen Beinkleider flattern staubbedeckt.

Wang  Wei 699-761 n. Chr.

denk mal

Ich denke, also bin ich ein Schmetterling...
Nach zehntausend Jahren dringt
der sanfte Ruf zierlicher Blumen
Durch den Wolkendunst,
der keinen Traum kannte, kein Erwachen,
Um an meine bunten, bunten Flügel zu rühren.

Dai Wangshu 1905-1950

jetzt

Einer sagt, die Zukunft werde besser als das Heute,
Einer sagt, es sei das Heute lange nicht wie früher.
Einer sagt, wieso?
Die Zeit spricht: Ihr alle ehrt nicht, daß ich es bin.
Das gute Früher ist schon selbst gegangen.
Die gute Zukunft geht mir voran.
Was dies besagt,
Das sage ich dir nicht.

Lu Xun 1881-1936

tee

Mittwoch, Dezember 15

psalm 90:2:

„Ehe selbst die Berge geboren wurden oder du darangingst, wie mit Geburtswehen die Erde und das ertragfähige Land hervorzubringen, Ja von unabsehbarer Zeit bis auf unabsehbare Zeit bist du Gott“

e i n s

ALS ihn der Gott in seiner Not betrat,
erschrak er fast, den Schwan so schön zu finden; er ließ sich ganz verwirrt in ihm verschwinden.
Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat, bevor er noch des unerprobten Seins Gefühle prüfte. Und die Aufgetane erkannte schon den Kommenden im Schwane und wußte schon: er bat um Eins, das sie, verwirrt in ihrem Widerstand, nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder und halsend durch die immer schwächre Hand ließ sich der Gott in die Geliebte los. Dann erst empfand er glücklich sein Gefieder und wurde wirklich Schwan in ihrem Schooß.

- R.M.R.

Jeunesse style

 







Die Liebenden

Sieh, wie sie zu einander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist. Ihre Gestalten beben wie Achsen, um die es heiß und hinreißend kreist
Dürstende, und sie bekommen zu trinken, Wache, und sieh: sie bekommen zu sehn. Laß sie ineinander sinken, um einander zu überstehn.                   (1908, Paris)

Tu rencontres des Buddha...

Anicca ist eines der Drei Daseinsmerkmale des Buddhismus und steht für das Konzept der Unbeständigkeit alles Seienden, eine der wesentlichen Lehren des Buddhismus. Gemäß dieser Lehre befindet sich ausnahmslos alles im Fluss der Vergänglichkeit, sogar Planeten, Sterne und Götter sind ihm unterworfen. Dieses wird im menschlichen Leben im Alterungsprozess und im Zyklus von Geburt und Wiedergeburt (Samsara) und in jeder möglichen Erfahrung des Verlustes erfahren.
Weil alle Dinge unbeständig sind, ist jedes Upadana („Anhaften“) an ihnen vergeblich und führt somit zu Leid. Die einzige Möglichkeit, Anicca zu beenden, ist Nirvana zu erlangen. Nirvana gilt als die einzige Realität, die keine Vergänglichkeit, Verfall oder Tod kennt. Im Nirvana-Sutra wird gesagt, dass alle zusammengesetzten, konstruierten Dinge und Zustände „vorübergehend“ sind – die einzige Ausnahme davon sind das Nirvana und der Buddha (die Personifizierung von Nirvana), und es ist wichtig, dies zu verstehen. Anicca ist eng mit der Lehre von Anatta verbunden, die besagt, dass keine Existenz ein festes Selbst hat. Auch wenn uns die Vergänglichkeit mehr oder weniger jeden Tag widerfährt, vom Sonnenaufgang zum Untergang über den Frühling bis zum Winter, geschehen dann doch Dinge die einen auf den Boden der Tatsachen holen und einen fühlen lassen wie unumstößlich dieses Universelle Konstante doch ist...
 
  • Dies ist es!
  • Es gibt keinen verborgenen Sinn.
  • Es gibt nur hier und jetzt und keinen anderen Ort, wo du hingehen kannst.
  • Wir sterben schon, und wir werden lange tot sein.
  • Nichts ist von Dauer.
  • Du kannst nicht alles bekommen, was du haben willst.
  • Du kannst nichts haben, solange du es nicht loslässt.
  • Du kannst nur behalten, was du weggibst.
  • Es gibt keinen besonderen Grund dafür, dass du einige Dinge, die du ersehnst, einfach nicht erreichst.
  • Die Welt ist nicht unbedingt gerecht. Gut zu sein zahlt sich oft nicht aus, und es gibt keine Entschädigung für Unglück.
  • Du hast die Verantwortung, trotzdem dein Bestes zu tun.
  • Es ist ein zufälliges Universum, dem wir da Sinn geben.
  • Du hast nichts wirklich unter Kontrolle.
  • Du kannst niemanden zwingen, dich zu lieben.
  • Keiner ist stärker oder schwächer als irgend ein anderer.
  • Jeder ist auf seine Art verwundbar.
  • Es gibt keine großen Menschen.
  • Wenn du einen Helden hast, sieh noch mal hin: du hast dich selbst irgendwie kleiner gemacht.
  • Jeder lügt, betrügt, tut so als ob (ja, du auch, und höchstwahrscheinlich ich selbst).
  • Alles Böse ist potentielle Vitalität, du musst es nur umsetzen.
  • Alles an dir ist etwas wert, wenn du es nur besitzt.
  • Fortschritt ist eine Illusion.
  • Man kann das Böse hierhin und dahin schieben, aber nie ausrotten, denn alle Lösungen brüten neue Probleme aus.
  • Trotzdem ist es notwendig, weiter zu kämpfen und auf die Lösung hin zu arbeiten.
  • Die Kindheit ist ein Nachtmar*.
  • Aber es ist so schwer, ein selbständiger pass-auf-dich-selbst-auf-denn-es-gibt-keinen-anderen-der-es-für-dich-tut-Erwachsener zu sein.
  • Jeder von uns ist letztlich allein.
  • Die wichtigsten Dinge muss jeder für sich selbst tun.
  • Liebe ist nicht genug, aber sicher hilft sie.
  • Wir haben nur uns selbst und einander. Das ist vielleicht nicht viel, aber mehr gibt es nicht.
  • Wie seltsam, dass es so oft all das wert zu sein scheint.
  • Wir müssen in der Unsicherheit teilweiser Freiheit, teilweiser Macht und teilweisen Wissens leben.
  • Alle wichtigen Entscheidungen müssen auf der Basis unzureichender Daten gefällt werden.
  • Und doch sind wir verantwortlich für alles, was wir tun.
  • Entschuldigungen werden nicht angenommen.
  • Du kannst weglaufen, aber du kannst dich nicht verstecken.
  • Es ist sehr wichtig, alle Sündenböcke abzuschaffen.
  • Wir müssen die Kraft erkennen, die darin liegt, mit unserer Hilflosigkeit zu leben.
  • Dein einziger Sieg liegt in der Hingabe an dich selbst.
  • Alle wichtigen Schlachten trägst du in dir selbst aus.
  • Du bist frei, zu tun, was immer du willst. Du musst nur bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.
  • Was weißt du eigentlich...sicher?
  • Lerne, dir selbst zu vergeben, wieder und wieder und wieder und wieder und wieder...
* Nachtmar, der: Der Nachtmar ist ein großes, fledermausähnliches Wesen, das sein Unwesen bevorzugt in Atlantis treibt. Setzt sich ein Nachtmar auf die Brust eines Schlafenden, so leidet dieser unter schrecklichen Abträumen. Die Nachtmare wurden für vogelfrei erklärt, da diese Albträume weder den Schlafenden noch den Nachtmaren selbst etwas bringen.
Nachtalb ist eine späte Bezeichnung für ein Wesen, das ursprünglich „Mahr“ hieß und in der Nacht auf Menschen lastet (vgl. Albtraum) und ihnen Grauen einflößt. Es handelt sich gewöhnlich um ein kleines schwarzes Wesen, das schlafende Menschen und Haustiere anfällt, selten auch Sachen. Es dringt durch Schlüssel- oder Astlöcher ein. Der Anfall ist mit Angstzuständen und Atemnot verbunden. In manchen Geschichten hat die Mahr einen deutlich erotischen Charakter. Es wird von Geschlechtsverkehr zwischen Mensch und Mahr berichtet. Sie gehört zusammen mit dem Werwolf zu den Einzelgängerwesen, die ihre Gestalt verändern können. Mahre bringen Krankheiten und in manchen Gegenden Skandinaviens sind die Grenzen zu Hexen, Wesen, die Müttern die Muttermilch stehlen, Wiedergängern und Gespenstern fließend. Das Motiv ist vorchristlich und international. Nach den Texten der alten skandinavischen Literatur handelt es sich um Personen, die ihren „hugr“ in eine andere Gestalt verlegen können. „hugr“ ist mehr als die Seele im christlichen Sinn, es ist das gesamte nicht körperliche Wesen des Menschen, also auch seine Gedanken und Wünsche. Eine nahe Verwandtschaft lässt sich zum Wesen Odins feststellen. Snorri sagt über Odin:
„Óðinn skipti hömum. Lá þá búkurinn sem sofinn eða dauður en hann var þá fugl eða dýr, fiskur eða ormur og fór á einni svipstund á fjarlæg lönd að sínum erindum eða annarra manna.“
„Wollte Odin seine Gestalt wechseln, dann lag sein Körper wie schlafend oder tot da, er selbst aber war ein Vogel, ein wildes Tier, ein Fisch oder eine Schlange. Er konnte in einem Augenblick in ferne Länder fahren in seinen oder anderer Angelegenheiten.“
Zum nordischen Mahr gehört im Unterschied zu Hexen und anderen Zauberern, dass sie immer in Verbindung mit „Reiten“ und Schadenszufügung in der Dämmerung oder in der Nacht gebracht werden. Andere Geister reiten nie. In den alten norwegischen Christenrechten wird der Ritt als Mahr ausdrücklich unter Strafe gestellt. „Wenn bewiesen ist, dass eine Frau einen Mann oder seine Hausgenossen reitet …“ heißt es in § 46 des Christenrechts des Eidsivathing. Die Möglichkeit, als Mahr die Gestalt zu wechseln und einen Mahr-Ritt auszuführen, wird als reale Möglichkeit vorgestellt. Die Eyrbyggja saga aus der Mitte des 13. Jahrhunderts handelt von der Eifersucht der beiden Frauen Geirrid und Katla, wobei Geirrid dann in einem Prozess vorgeworfen wird, sich als Mahr betätigt zu haben. Ebenso wird in der Ynglinga saga der Tod Vanlandis einer Mare zugeschrieben, die von seiner verlassenen Frau in Finnland auf ihn, der gerade in Uppsala weilte, gehetzt worden war.
„Þá gerðist honum svefnhöfugt og lagðist hann til svefns. En er hann hafði lítt sofnað kallaði hann og sagði að mara trað hann. Menn hans fóru til og vildu hjálpa honum en er þeir tóku uppi til höfuðsins þá trað hún fótleggina svo að nær brotnuðu. Þá tóku þeir til fótanna. Þá kafði hún höfuðið svo að þar dó hann.“
„Da wurde er schläfrig und legte sich nieder zum Schlafe. Als er aber nur ein wenig geschlafen hatte, schrie er auf und sagte, dass ihn eine Mahre trete. Da kamen seine Leute herbei und wollten ihm helfen. Als sie ihn aber oben am Kopfe fassten, trat jene auf seine Beine, dass sie fast zerbrachen. Sie griffen nun nach seinen Füßen, doch die Mahre drückte jetzt so auf sein Haupt, dass er dort sterben musste.“
Im Mittelalter lebte das Fabelwesen in Form mannigfaltigen Aberglaubens fort, und man rechnete ihn unter die schwarzen Berggeister, Zwerge und Nachtelfen. Auch das „Schrätteli“ bzw. „Schrättele“ aus vielen Sagen des Schwarzwaldes ist wohl eine Abwandlung der Nachtmahr. Auch hier handelt es sich meist um eine weibliche Person oder sogar Hexe, die ihren Körper verlässt und in Gestalt eines Strohhalms durch das Schlüsselloch in die Schlafzimmer ihrer Opfer eindringt. Dort angekommen plagt und „drückt“ sie ihre Opfer bis zur völligen Erschöpfung. Dem Schrätteli wird außerdem nachgesagt, dass es oftmals das Vieh im Stall „drückt“ um sich dort Erleichterung zu verschaffen, wenn es keinen Menschen „drücken“ kann. Später wurde der Nachtalb auch mit dem Teufel gleichgesetzt: Die Redewendung „Der Teufel hat dich geritten“ ist als Synonym für „Dich hat der Nachtalb geritten“ zu verstehen. Ähnlich wie Frau Holle, der man unterstellt, Gespinst und Haare zu zerzausen, sagte man auch dem Nachtalb nach, offene Haare bei Mensch und Tier zu verknoten. Daher nannte man den Nachtalb auch „Alpzopf“, „Drudenzopf“, „Wichtelzopf“ und „Weichselzopf“. Zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert unterschied man in Frankreich männliche (incubus = Auflieger) und weibliche (succubus = Unterlieger) Nachtalbe, denen man magische Verführungskünste nachsagte. 1318 wurde dies in einem Hexenprozess an der Sorbonne (Paris) ausdrücklich bestätigt. Das Wort „Mahr“ kommt aus der germanischen Wurzel „mer“, was „zerstoßen“ bedeutet, althochdeutsch, alt- und neuschwedisch, polnisch, isländisch „mara“, mittelniederdeutsch, mittelhochdeutsch, angelsächsisch, norwegisch „mare“, tschechisch „můra“, slowakisch „mora“, wendisch „murawa“, im Englischen in „nightmare“ und im Russischen in „кошмар“ (aus dem Französischen von „cauchemar“) enthalten. Nach der Reformation wurde das Wort durch „Alp“ oder „Alb“ verdrängt, ohne seinen Inhalt zu ändern. Die in der irischen Mythologie anzutreffende Kriegsherrin „morrigain“ wird ebenfalls etymologisch auf „mara“ bezogen.

quotidien

Die Zahl der Praktiken, die mit „Buddhismus“ assoziiert werden ist groß. Jedoch berufen sich alle auf Siddattha Gautama, der vor etwas mehr als 2500 Jahren im nördlichen Indien lebte und lehrte, als Quelle oder Inspiration. Er ging in die Geschichte ein als der “Buddha”, was so viel bedeutet wie der “Erwachte”, der aus eigener Kraft allumfassende Weisheit um die Beschaffenheit des Seins erreichte. Obwohl der Buddha selbst nichts niederschrieb, hinterließ er doch ein bemerkenswertes Erbe in Form seiner Lehre (dem Dhamma), die zunächst nur mündlich durch seinen relgiösen Orden aus Mönchen und Nonnen (die Sangha), den er gegründet und geleitet hatte, verbreitet wurde. Dieser Orden überlebte die Jahrhunderte und erhält die Lehre des Buddha bis heute in Wort und Lebensweise. Bis heute sind diese drei Elemente – der Buddha, der Dhamma und die Sangha – als „die Drei Zufluchten“ oder „dreifaches Juwel“ bekannt, die Weisheit, Wahrheit und Tugend verkörpern. Werte, die wir in uns selbst kultivieren können. Nach dem Tod des Buddha verbreitete sich seine Lehre von Indien über Asien und weiter in die Welt. In ihrer Verbreitung wurde sie Teil verschiedener regionaler Kulturen, wodurch verschiedene „Schulen“ des Buddhismus entstanden. Im Allgemeinen spricht man von drei Schulen: Theravada („Die Lehre der Alten“), die sich über Sri Lanka, Burma, Thailand erstreckt, Mahayana („Das große Gefährt“), die verschiede Traditionen in China, Korea und Japan umfasst; und Vajrayana („Das diamantene Gefährt“), die vor allem in Tibet verbunden wird. Lehrer aller dieser Schulen haben inzwischen den Westen erreicht, manche erhielten die ürsprüngliche Lehre ihrer Heimat, andere passten sich mit weniger traditionellen Sichtweisen an. Die folgenden Ansätze und Zitate entstammen der Theravada-Schule.

Der buddhistische Pfad
Der Buddha lehrte den Pfad zum spirituellen Erwachen, einen Weg der Übung und Tat, dem wir in unserem Leben folgen können. Dieser „Pfad der Übung“ kann in drei, einander unterstützende, Aspekte unterteilt werden: Tugend, Meditation und Weisheit. „Wo Aufrichtigkeit ist, ist Weisheit, und wo Weisheit ist, ist Aufrichtigkeit. Mit dem Aufrichtigen ist die Weisheit und mit dem Weisen ist die Aufrichtigkeit. Tugend und Weisheit seien das erklärte Ziel der Existenz.“

Tugend
Um sich dem Pfad Übung des Buddha formal zu verpflichten kann man von einem Mönch oder einer Nonnen die „drei Zufluchten“ und fünf Gebote erbitten, oder sich diese selbst auferlegen. Die Zuflucht nehmen ist Ausdruck der Verpflichtung, im Einklang mit den Prizipien Weisheit, Wahrheit und Tugend zu leben und der Lehre und dem Beispiel des Buddha zu folgen. Diese fünf Gebote sind Lebensregeln denen unser Handeln im Alltag folgt sind: Verzicht Leben zu vernichten; nicht zu nehmen, was nicht gegeben wurde; Verzicht auf sexuelle Verfehlungen; Verzicht auf falsche Rede, Einhalten von Versprechen; Verzicht auf berauschende Getränke und Drogen. Jemand der nach diesen Regeln lebt entwickelt die Selbstdisziplin und das Gespür, die für die Meditation, den zweiten Aspekt des buddhistischen Weges, nötig sind.

Meditation
Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Meditation das wiederholte Sammeln der Aufmerksamkeit auf ein Bild, Word oder Thema um den Geist zu beruhigen und um sich die Bedeutung des Bildes oder Wortes bewußt zu machen. Die buddhistische Technik der Einsichtsmeditation zielt auf einen weiteren Zweck: dem umfassenden Verständnis von der Beschaffenheit des Geistes. Dies kann mit einem Meditationsobjekt das als Referenzpunkt dabei hilft, unsere inneren Einstellungen, die sonst underhalb der oberflächlichen Aktivität des Geistes ruhen, aufzudecken. Der Buddha ermutigte seine Anhänger, ihren eigenen Körper und Geist als Objekt der Meditation heranzuziehen. Das Gefühl, das mit dem Atem verbunden wird, ist dabei eines der häufigen Meditationsobjekte. Mit geschlossenen Augen sitzend und in Konzentration auf das Gefühl des natürlichen Atems, werden sich nach einiger Zeit innere Ruhe und Klarheit einstellen. In diesem Zustand können innere Spannungen, Erwartungen und Launen untersucht, verstanden und beseitigt werden. Der Buddha lehrte, dass die Meditation auch in unserem alltäglichen Handeln aufrecht erhalten werden kann, wenn die innere Beobachtung auf den Bewegungen und Empfindungen des Körpers oder den Gedanken, die uns durch den Kopf gehen, gerichtet ist. Diese Form der permanenten Aufmerksamkeit nennt sich „Gewahrsein“. Der Buddha erklärte, dass durch Gewahrsein eine ruhige und friedfertige Aufmerksamkeit verwirklicht werden kann. Obwohl diese auf den Körper und den Geist zielt, bleibt sie frei von Leidenschaften und Verstrickung in körperliche oder geistige Eindrücke und Erfahrungen. Diese Befreiung und Entsagung ist ein erster Vorgeschmack auf das was im Buddhismus Nibanna (Sanskrit: Nirvana) genannt wird – einem Zustand des Friedens und Glückes frei von den herrschenden Umständen. Nibanna ist ein „natürlicher“ Zustand, die wahre Natur des Geistes frei von Druck und irreführenden Gewohnheiten. Lediglich das Aufwachen genügt um den Traumzustand zu beenden, der Geist ist durch Gewahrsein klar und wird nicht weiter durch bessesenen Gedanken, Zweifel und Sorgen getrübt. Obwohl Gewahrsein ein wichtiges Werkzeug ist, braucht der Geist Anhaltspunkte um die richtige Objektivität über das Sein zu entwickeln. Hierzu dienen die Lehren des Buddhas über die Weisheit.

Weisheit
Die zentralen Lehren des Buddha über die Weisheit sind keine Aussagen über Gott oder entgültige Wahrheit. Der Buddha war der Auffassung, dass dies zu Ablehnung, Widersprüchlichkeit und auch zu Gewalt führen kann. Stattdessen beschreibt buddhistische Weisheit etwas, dass jeder einzelne für sich selbst erfahren kann ohne sich einem religiösen Glauben von der unveränderlichen Wahrheit oder einem göttlichen Wesen unterzuordnen. Die Wahrheit seiner Lehren wird durch die eigenen Erfahrungen herausgefordert und bestätigt. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedlich Möglichkeiten Wahrheit auszudrücken – was jedoch wirklich zählt ist der Wert der eigenen Erfahrung und ob die gefundene Wahrheit das Leben bewusster und anteilnehemender macht. Die Lehre wird somit zum Werkzeug, das den Geist von flaschem Verständnis befreit. Wenn der Geist klar ist, kommt die wahre Beschaffenheit der Realität zum Vorschein, wie auch immer wir sie in konkrete Worte oder Gedanken gefasst werden soll.

Die vier edlen Wahrheiten
Um Aufschluss darüber zu geben, dass das vorherrschende Verständnis des Seins unzureichend ist, sprach der Buddha von Dukkha, was so viel bedeutet wie „Unzufriendenheit“. In seinen Reden fasst er die Wurzel, das Ende und der Weg aus der Unzufriedenheit als die Wahrheit über Dukkha (auch übersetzt als „Leid“) zusammen. Dieser Kern der Lehre, der der eigenen Erfahrung standhalten muss und als Orientierung dient, ist als die „vier edlen Wahrheiten“ bekannt.

Die erst edle Wahrheit: Das Leben ist Dukkha.
Das Leben, so wie wir es erfahren, besteht aus einem Anteil aus unangenehmen Erfahrungen: Krankheit, Schmerz und Leid sind offensichtliche Erscheinungen. Und auch in einer modernen wohlhabenden Gesellschaft leiden Menschen unter Ängsten, Stress und Orientierungsverlust; oder sie fühlen nicht in der Lage mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Hinzu kommt, dass angenehme Ehrfahrung nicht von Bestand sind, sondern für eine bestimmte Zeit anhalten. Dukkha kann durch den Verlust einer nahestehenden Person oder einer bitteren Enttäuschung entstehen. Es ist offensichtlich, dass unsere herkömmlichen Reaktionen auf diese Gefühle – wie Hedonismus, Suche nach anderen Beziehungen und Erfolgserlebnissen – nur kurzfristig weiterhelfen, denn Dukkha entstammt einem inneren Bedürfnis. Da die Wurzel in uns selbst liegt, werden die Suche und Anhäufungen von äußeren angehmen Ersatzerbefriedigungen stets erfolglos bleiben. So lange wir unsere Erfüllung in dem suchen, was vergänglich und verletzlich ist – und es braucht nicht viel Verständnis um herauszufinden wie verletzlich unser Körper und unsere Gefühle sind – werden wir weiter unter Enttäuschungen und Verlust Leiden.
„Haben, was wir ablehnen ist Dukkha. Getrennt sein von dem was wir mögen ist Dukkha, nicht bekommen was wir uns wünschen ist Dukkha. Kurzum, zwanghafte Gewohnheiten des Körpers und des Geistes sind Dukkha.“

Die zweite edle Wahrheit: Es gibt eine Ursache für Dukkha.
Der Buddha erkannte, dass die Ursache von Unzufriedenheit in falschen Antrieb liegt. Warum? Indem wir unsere Erfüllung in dem suchen was vergänglich ist, sehen wir nicht was unser Leben uns wirklich bietet, wenn wir aufmerksam hinschauen. Nutzen wir dieses spirituelle Potenzial aus Unwissenheit nicht, werden wir weiterhin durch unsere Empfindungen und Launen getrieben. Wenn jedoch durch Gewahrsein klar wird, dass wir einer schlichten Angewohnheit anstatt der wahren Natur der Realität folgen, wird klar, dass wir dies ändern können.

Die dritte edle Wahrheit: Freiheit von Dukkha.
Sobald wir die zweite Wahrheit verstanden haben, ergibt sich die dritte Wahrheit von selbst, wenn wir auf Abstand von unseren, bewussten und unbewussten, egoistischen Gewohnheiten gehen, können wir uns von der Unzufriedenheit über unsere Existenz befreien. Wenn wir auf das Leben frei von Angriffs- oder Verteidigungshaltung, die von Vorurteile und eingefahrenen Vorstellungen gesteuert sind, antworten, ruht der Geist in innerer Harmonie. Hierdurch verlieren Ansichten und Gewohnkeiten – also auch unsere Vorurteilen und eingefahrenen Vorstellungen, die uns steuern und das Leben unzulänglich und feindlich erscheinen lassen – an Kraft und lassen sich in Bahnen lenken, von denen wir selbst und unser Umfeld profitiert.

Die vierte edle Wahrheit: Der Weg der Befreiung von Dukkha.
Um den Blick auf unser Leben zu schärfen sind praktische Erkenntnisse nötig, da es ist nicht möglich sich von etwas zu lösen, auf das der Geist noch nicht geschult wurde. Ist man ausreichend vorbereitet, wird sich Nibanna von selbst eröffnen. Alles was hierzu von Nöten ist, ist zu wissen, dass dieser Weg existiert und welche Bedingungen auf diesem Weg zu erfüllen sind. Der „Weg“ wurde bekannt als der „achtgliedrige Heilspfad“. Das achtspeichige Rad in der Symbolik des Buddhismus, stellt dar wie sich die acht Aspekte des Heilpfades einander fördern. Die buddhistische Praxis besteht daher aus den Faktoren: Rechte Anschauung – Rechte Gesinnung – Rechte Rede – Rechtes Handeln – Rechte Lebensführung – Rechtes Mühen – Rechte Achtsamkeit – Rechte Sammlung. Diese „Richtigkeit“ ensteht durch ein Leben mit Tugend, Meditation und Weisheit, und steht im Gegensatz zu irreführenden, ichbezogenen Ansichten. Dieser Weg wird sowohl uns selbst, als auch anderen gerecht.
„Der, der die Weisheit verinnerlicht denkt nicht daran sich selbst, einem anderen oder beiden Leid zuzufügen. Er denkt an das eigene Wohl, das Wohl des anderen, das Wohl beider und das Wohl der Welt.“

Auf dem buddhistischen Pfad
Auf die Frage warum man seine Anhänger stets inneres Glück ansah antwortete der Buddha: „Sie bedauern weder die Vergangenheit, noch brüten sie über die Zukunft. Sie leben im ganz im Jetzt und daher strahlen sie.“
Jemand, der den buddhistischen Pfad in Zeiten von Rückschlägen und Herausforderungen voll entwickelt hat findet Klarheit und Geduld, sowie das Bedürfnis, diesen Reichtum mit anderen zu teilen. Er lebt frei von Schuld und in den Umständen, die uns umgeben bleiben Herz und Verstand dort wo sie von Nutzen sind, anstatt sinnlosen und schädlichen Stimmungsschwankungen zu verfallen. Dies sind die Früchte der Lehre, die wie alle anderen Früchte auch langsam, geduldig und mit Beharren herangezogen werden müssen. Aus diesem Grund sind Anleitung – oder auch die schlichte Anwesenheit von Gleichgesinnten – unabkömmlich. Die Zuflucht in der Sangha besinnt sich hierauf. Allgemein bezieht sich der Begriff „Sangha“ auf spirituelle Weggenossen, stellt jedoch die auf Almosen angewiesenen Mönche und Nonnen in den Vordergrund, die unter einem detailierten Verhaltenkodex stehen und den Laien unmissverständlich die Werte des buddhistischen Weges vorleben. Buddhistische Nonnen und Mönche sind keine Prediger – es ist ausdrücklich untersagt zu belehren, so weit nicht ausdrücklich darum gebeten wurde –, sondern spirituelle Wegbegleiter und ihr Verhältnis zum buddhistischen Öffentlichkeit besteht in der gegenseitigen Unterstützung. Es ist ihnen verboten Nahrungsmittel anzubauen oder Geld zu besitzen. Sie müssen mit der Gesellschaft verbunden bleiben und deren Unterstützung wert sein. Ein buddhistisches Kloster ist somit kein Notausstieg, sondern ein Ort an dem man bleiben und die Lehre erfahren kann; und vor allem zu erleben, dass jeder Akt der Unterstützung mit Wertschätzung beantwortet wird. Auf diese Weise bieten Mönche und Nonnen weit mehr als Leitung und Begleitung, sondern geben auch die Möglichkeit Selbstbewusstsein und Selbstrespekt aufzubauen. „Glaube nicht zu leichtfertig an Tugend indem Du sagst: ‚Nichts wird mir zur Besserung helfen.‘ Denn ein Krug füllt sich auch mit stetigen Tropfen; ebenso erreicht der Weise sein Wohl mit kleinen Schritten.“

Donnerstag, Dezember 2

dirigent - kluge warten, weise gehen

Wer da sagt Schön
schafft zugleich Unschön
Wer da sagt Gut
schafft zugleich Ungut
Sein bedingt Nichtsein
Schwer ergänzt Leicht
Lang bemisst Kurz
Hoch erzeugt Niedrig
Laut bestimmt Leise
Jetzt folgt Einst
Darum der Weise:
handelt ohne Tun
lehrt ohne Worte
Dinge entstehen und vergehen
er erzeugt, ohne zu besitzen
er handelt, ohne zu erwarten
er vollendet, ohne zu verweilen
Indem er sein Werk vergisst
bleibt es unvergessen

F.K.